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Agri-PV im Demeter-Kontext: So gelingt die Verbindung aus biodynamischer Landwirtschaft, Biodiversität und Energieerzeugung

Agri-PV im Demeter-Kontext: So gelingt die Verbindung aus biodynamischer Landwirtschaft, Biodiversität und Energieerzeugung

Erkenntnisse aus dem Feldwerke-Webinar „Land- und Energiewirtschaft Hand in Hand“ mit Demeter

In unserem Webinar mit Demeter stand eine sehr konkrete Leitfrage im Mittelpunkt: Wie kann Agri-PV so umgesetzt werden, dass sie zur biodynamischen Landwirtschaft passt – also den Betrieb als Organismus stärkt, die Bodenfruchtbarkeit schützt und die Bewirtschaftung langfristig verbessert, statt sie zu verdrängen?

Genau darum geht es in diesem Beitrag: eine praxisnahe, Demeter-orientierte Zusammenfassung – mit Fokus auf landwirtschaftliche Hauptnutzung, Systemdesign, Rechtssicherheit und der Rolle von Batteriespeichern.

1) Warum Agri-PV gerade für Demeter-Betriebe mehr ist als „PV auf Fläche“

Demeter-Betriebe denken in langen Zeiträumen: Bodenaufbau, Humus, Fruchtfolge, Tierhaltung, Kreislaufwirtschaft – und oft ein klarer Anspruch, Flächen in einem besseren Zustand zu übergeben, als man sie übernommen hat. Gleichzeitig steigen die Risiken durch Wetterextreme, Ertragsschwankungen und Kostendruck.

Agri-PV wird im Demeter-Kontext dann interessant, wenn sie drei Dinge gleichzeitig leistet:

  • Landwirtschaft bleibt Hauptnutzung – praktisch, nicht nur formal.
  • Die Fläche wird stabiler: Wasserhaushalt, Mikroklima, Erosionsschutz und Biodiversität.
  • Der Betrieb gewinnt Resilienz durch planbare Zusatzerlöse (und perspektivisch Flexibilität über Speicher).

Kurz: Agri-PV kann im besten Fall nicht nur Energie liefern, sondern betriebliche Stabilität schaffen – ohne den landwirtschaftlichen Kern zu opfern.

2) Agri-PV vs. klassische Freiflächen-PV: Der entscheidende Unterschied

In der Diskussion wurde sehr klar abgegrenzt:

  • Freiflächen-PV nutzt die Fläche primär energiewirtschaftlich – Landwirtschaft fällt weg.
  • Agri-PV ist nur dann sinnvoll (und anerkennungsfähig), wenn die landwirtschaftliche Nutzung weiterhin realistisch und dauerhaft funktioniert.

Für Demeter ist diese Abgrenzung besonders wichtig: Nicht die kWp-Zahl ist der Maßstab, sondern die Frage: Bleibt die Bewirtschaftung plausibel, vielfältig und betrieblich integrierbar?

3) Systemdesign „vom Acker aus gedacht“: Warum Tracker oft gut zur Praxis passen

Ein Schwerpunkt des Webinars war die Frage, welche Agri-PV-Systeme in der Praxis landwirtschaftlich am robustesten sind. Gerade für Acker- und Grünlandnutzung wurde herausgestellt, warum einachsige, nachgeführte Systeme (Tracker) häufig gut funktionieren:

  • Bewirtschaftbarkeit: Das Layout kann so geplant werden, dass Fahrgassen, Bearbeitungsbreiten und Vorgewende zur realen Maschinenlogik passen.
  • Mikroklima & Wasser: Teilverschattung kann Verdunstung reduzieren und in Trockenphasen stabilisierend wirken.
  • Einspeiseprofil: Tracker verteilen die Erzeugung stärker über den Tag (mehr morgens/abends) – das ist netzdienlicher, besonders mit Blick auf steigende PV-Anteile im Netz.

Wichtig im Demeter-Kontext: Der „Tracker“ ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass das System so ausgelegt ist, dass Bodenleben, Bewirtschaftungsrhythmus und betriebliche Abläufe nicht behindert werden.

4) Biodiversität nicht als Beilage, sondern als integraler Bestandteil

Im Webinar wurde betont, dass Agri-PV-Projekte in der Praxis häufig mit Biodiversitäts- bzw. Blühstreifen geplant werden – nicht als Marketingelement, sondern als funktionaler Baustein:

  • Puffer zwischen Technik und Bewirtschaftung
  • Lebensraum für Bestäuber und Nützlinge
  • Erosions- und Bodenschutz durch dauerhafte Begrünung
  • Ökologische Aufwertung, die in Genehmigungs- und Akzeptanzfragen oft spürbar hilft

Aus Demeter-Sicht ist das ein zentraler Unterschied zu „PV-first“-Konzepten: Wenn die Fläche ohnehin langfristig gebunden wird, kann man sie so entwickeln, dass sie ökologisch reicher und stabiler wird.

5) Batteriespeicher: Warum Flexibilität in Zukunft zur Wirtschaftlichkeit gehört

Ein weiterer Kernblock war die Rolle von Batteriespeichern (BESS). Hintergrund ist eine Entwicklung, die viele Betriebe indirekt spüren: mehr PV im System bedeutet häufiger Situationen, in denen Strompreise sehr niedrig sind oder Einspeisung begrenzt wird. Speicher adressieren genau das:

  • Stromeinspeisung lässt sich zeitlich verschieben (weg aus der Mittagsspitze, hin zu wertvolleren Zeiten).
  • Projekte werden robuster gegen Abregelung und Marktvolatilität.
  • Speicher helfen, Agri-PV als Teil eines ganzheitlichen Energiekonzepts zu denken – nicht als isolierte Anlage.

Für Demeter-Betriebe kann das perspektivisch auch strategisch interessant sein: Wenn ein Betrieb Energie erzeugt, kann Flexibilität ein Hebel sein, um Planbarkeit und Wertschöpfung zu erhöhen – ohne die Landwirtschaft zu kompromittieren.

6) Rechtlicher Rahmen: Baurecht und EEG sauber trennen – und Projekte robust planen

Ein wichtiger Punkt im Webinar war, dass man zwei Ebenen auseinanderhalten muss:

Baurechtliche Privilegierung (hofnah)

Für bestimmte Agri-PV-Vorhaben im Außenbereich gibt es die Möglichkeit der Privilegierung – mit klaren Leitplanken (z. B. Flächenobergrenze, funktionaler Zusammenhang zum Betrieb, Begrenzung je Hofstelle/Betriebsstandort). Das ist insbesondere für Betriebe relevant, die hofnah realisieren möchten.

EEG-Förderkulisse und steuerliche Betrachtung

Parallel dazu steht die energiewirtschaftliche Einordnung (Vergütungslogik, Ausgestaltung, Rahmenbedingungen). Die klare Empfehlung aus dem Webinar: nicht auf „perfekte“ zukünftige Regeln warten, sondern Projekte so konzipieren, dass sie unter den heutigen Leitplanken wirtschaftlich, genehmigungsfähig und betrieblich tragfähig sind.

Gerade im Demeter-Kontext ist „robust“ das Stichwort: Ein Konzept muss auch dann funktionieren, wenn sich einzelne Parameter ändern – weil der Betrieb langfristig plant.

Fazit: Demeter-kompatible Agri-PV funktioniert, wenn Landwirtschaft führt

Agri-PV passt zu Demeter, weil sie den Betrieb stärkt – nicht die Fläche ersetzt.

Das gelingt, wenn drei Dinge konsequent umgesetzt werden:

  1. Landwirtschaftliche Hauptnutzung ist praktisch abgesichert (Bewirtschaftung, Layout, Nutzungskonzept).
  2. Boden und Biodiversität werden als integrierter Projektbestandteil geplant (Dauerbegrünung, Puffer, Pflege).
  3. Energie wird ganzheitlich gedacht – zunehmend inkl. Batteriespeicher, um Wirtschaftlichkeit und Netzintegration zu verbessern.

So wird aus „PV auf dem Feld“ ein Ansatz, der im Sinne biodynamischer Landwirtschaft tatsächlich „Hand in Hand“ gehen kann: Lebensmittel, Bodenentwicklung und Energie – auf einer Fläche, mit einem Plan.

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