Webinar mit Maschinenring zu Agri-PV – Pachtvertrag & landwirtschaftliches Nutzungskonzept
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Feldwerke & Maschinenring Oberland: Agri-PV in der Praxis - Pachtvertrag & landwirtschaftliches Nutzungskonzept
Erkenntnisse aus dem Webinar mit dem Maschinenring Oberland (Stephan Palkowitsch)
In unserem gemeinsamen Webinar mit dem Maschinenring Oberland – vertreten durch Vorstand Stephan Palkowitsch – ging es um zwei Fragen, die in der Praxis über Erfolg oder Bauchschmerzen entscheiden: Wie muss ein landwirtschaftliches Nutzungskonzept aufgebaut sein, damit Agri-PV wirklich als Agri-PV anerkannt wird? Und: Worauf sollten Landwirte beim Agri-PV-Pachtvertrag achten, wenn sie sich 25–30 Jahre binden?
Hier fassen wir die zentralen Punkte kompakt zusammen – aus Landwirts- und Betreiberperspektive.
1. Das landwirtschaftliche Nutzungskonzept: Warum es der entscheidende Grundstein ist
Das Nutzungskonzept ist nicht „Papier fürs Amt“, sondern die inhaltliche Begründung, dass Landwirtschaft auf der Fläche weiterhin Hauptnutzung bleibt. Genau deshalb wird es in mehreren Richtungen geprüft:
- Baubehörde: Passt das Vorhaben zur Privilegierung und zum Betrieb?
- Landwirtschaftsamt: Ist die Bewirtschaftung plausibel, nachvollziehbar und dauerhaft realistisch?
- Förder-/Prämienlogik: Kann die landwirtschaftliche Nutzung weiterhin anerkannt werden?
- Steuerliche Dimension: Wie bleibt das Vorhaben sauber im landwirtschaftlichen Kontext verankert?
Ein wichtiger Praxisgedanke aus dem Webinar: Das Nutzungskonzept ist auch ein Schutzmechanismus, damit Agri-PV nicht zu „Freifläche mit Alibi-Nutzung“ wird. Wer Landwirtschaft wirklich vorne hinstellt, hat in der Regel deutlich weniger Reibung.
2. Kategorie 1 vs. Kategorie 2: Wo findet Landwirtschaft statt?
Im Webinar wurde die Einordnung in zwei Grundkategorien betont, weil sie die Planung und Argumentation stark beeinflusst:
- Kategorie 1: Landwirtschaft unter den Modulen (z. B. Weidehaltung)
- Kategorie 2: Landwirtschaft zwischen den Modulreihen (z. B. Ackerbau/Fruchtfolge)
Das ist mehr als eine Formalie: Bei Kategorie 1 stehen Tierführung, Zaun, Wasser, Schatten, Narbenstabilität und Management im Vordergrund. Bei Kategorie 2 geht es um Maschinenlogik, Bearbeitungsbreiten, Vorgewende, Fruchtfolge, Pflanzenschutzfähigkeit und Erntelogistik.
3. Was in ein gutes Nutzungskonzept gehört – und warum Behörden so tief nachfragen
Gerade bei privilegierten Agri-PV-Vorhaben wird oft sehr detailliert geprüft, ob ein Betrieb die Voraussetzungen tatsächlich erfüllt. Das beginnt bei Basisdaten und geht teils bis zu betrieblichen Perspektiven (z. B. Nachfolgefähigkeit). Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Wenn Privilegierung genutzt wird, will die Behörde sehen, dass die Anlage funktional zur Landwirtschaft gehört.
Ein praxistaugliches Nutzungskonzept sollte deshalb klar, überprüfbar und „betriebsnah“ sein. Typische Bausteine:
- Betriebsbild: Betriebsausrichtung, Flächenstruktur, Bewirtschaftung (heute und geplant)
- Flächen- und Anlagenbeschreibung: Zuschnitt, Einschränkungen, Wege, Infrastruktur, sensible Bereiche
- Bewirtschaftungsplan: Weide-/Mahdregime oder Fruchtfolge, Bearbeitungsschritte, Zeitfenster
- Nachweislogik: Wie wird die landwirtschaftliche Nutzung über Jahre dokumentiert (Monitoring, Protokolle, Fotos, Aufzeichnungen)?
- Ertrags-/Plausibilitätsansatz: Eine realistische Herleitung, warum die landwirtschaftliche Nutzung auch unter/zwischen Modulen tragfähig bleibt
Wichtig war auch der Punkt: Das Nutzungskonzept soll die „Stolpersteine“ vorwegnehmen – nicht beschönigen. Wer Risiken sauber benennt und Managementmaßnahmen definiert, wirkt glaubwürdiger.
4. Praxisblock Weidehaltung: Warum es oft sehr gut funktioniert – und was man steuern muss
Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Weidehaltung besonders robust, weil sie sich gut in die Flächenlogik einfügt und weniger schwere Maschinen erfordert. Im Webinar wurden mehrere praktische Effekte diskutiert:
Positive Effekte (bei guter Ausführung):
- Grasnarbe & Durchwurzelung bleiben stabil, schwere Maschinenverdichtung wird reduziert.
- Trittspuren können – richtig eingeordnet – sogar Bodenbelüftung und Kapillarbildung fördern.
- Teilbeschattung kann in trockenen Jahren helfen: Aufwuchs unter Modulen kann sichtbar besser sein, weil Verdunstung sinkt und Wasser länger gehalten wird.
Wichtige Wahrheit aus der Praxis:
- Bei Starkregen kann Wasser an Modulkanten konzentrierter abtropfen → punktuell Matschbereiche. Das ist kein KO-Kriterium, aber es braucht Management (z. B. Tierdruck anpassen, Bereiche temporär entlasten, Tränken/Hotspots sinnvoll platzieren).
Kurz: Weide funktioniert sehr gut – wenn Weidemanagement und Anlagenlayout zusammen gedacht werden.
5. Pachtvertrag für Agri-PV: Worauf Landwirte achten sollten (und warum Betreiber Regelungen brauchen)
Der zweite große Block drehte sich um den Pachtvertrag – und die Besonderheit, dass hier oft 25–30 Jahre Laufzeit im Raum stehen. Das ist eine lange Zeit und zwingt dazu, auch unwahrscheinliche Szenarien mitzudenken: Betreiberwechsel, Verkauf, Insolvenz, Bankenanforderungen, Dienstbarkeiten, Nachfolgethemen, Bewirtschaftungsänderungen.
Die wichtigsten Vertragspunkte – verständlich zusammengefasst
1) Partnerschaft statt Einseitigkeit
Ein „einseitiger“ Vertrag ist selten nachhaltig. Es braucht einen tragfähigen Konsens – gerade, weil beide Seiten langfristig zusammenarbeiten müssen.
2) Klarheit über Schäden und Verantwortlichkeiten
Landwirte wollen wissen: Wer haftet bei Schäden durch Bau, Betrieb und Wartung? Wie werden Flurschäden geregelt? Wie läuft die Abstimmung in der Bewirtschaftung?
Haftung und Versicherungen müssen sauber und nachweisbar geregelt sein – nicht nur „auf dem Papier“.
3) Rückbau & Rückbausicherheit: Worst-Case-fähig
Rückbau ist technisch häufig gut machbar – entscheidend ist die vertragliche Absicherung. Im Webinar wurde erläutert, dass Rückbau über eine Rückbaubürgschaft abgesichert werden kann (Betrag pro kWp), sodass im Worst Case Mittel verfügbar sind, um die Anlage zu entfernen. Zusätzlich wurde die praktische Relevanz betont, dass Systeme ohne Betonfundamente (gerammte Unterkonstruktion) die Rückführung in den Ursprungszustand deutlich erleichtern.
4) Dienstbarkeit: notwendig – aber sauber begrenzen
Für Finanzierung und Betrieb ist eine Dienstbarkeit oft Voraussetzung. Für Landwirte ist wichtig, dass Inhalt/Umfang klar sind (Flächen, Wege, Kabel etc.) und dass die Löschung nach Vertragsende verbindlich geregelt ist.
5) Versicherungspflichten: beidseitig und nachweisbar
Ein praxistauglicher Mechanismus ist eine gegenseitige Nachweispflicht, damit Versicherungsschutz nicht nur einmal abgeschlossen, sondern dauerhaft vorhanden ist.
6) Langfristige Veränderungen mitdenken
Über 30 Jahre kann sich vieles ändern: Betriebsübergabe, Bewirtschaftungsform, Betreiberstruktur. Gute Verträge enthalten deshalb klare Prozesse für Abstimmung, Nachfolge, Betreiberwechsel und Bankanforderungen – ohne dass Landwirte in eine passive Rolle gedrückt werden.
Fazit: Agri-PV funktioniert – wenn Landwirtschaft ernsthaft im Zentrum steht
Das Webinar hat einen sehr klaren Kern: Agri-PV wird dann erfolgreich und akzeptiert, wenn die Landwirtschaft nicht Beiwerk, sondern der Ausgangspunkt der Planung ist.
Ein gutes Nutzungskonzept macht Bewirtschaftung plausibel und nachweisbar. Ein guter Pachtvertrag macht die Zusammenarbeit fair, planbar und worst-case-fähig – ohne Misstrauen, aber mit sauberer Absicherung.
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