Netz & Einspeisung
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Einspeiseprofil bei PV & Agri-PV einfach erklärt

Das Einspeiseprofil beschreibt den zeitlichen Verlauf, mit dem eine Erzeugungsanlage – meist eine Photovoltaik-Anlage – elektrische Leistung in das Stromnetz einspeist. Es wird typischerweise in viertelstündlichen Leistungswerten über ein Kalenderjahr abgebildet und ist seit dem Solarspitzengesetz und der Reform der BDEW-Standardlastprofile 2025 zu einer zentralen wirtschaftlichen Größe geworden – besonders bei Agri-PV-Projekten, deren Geometrie das Profil gezielt formen kann.

Inhaltsverzeichnis

Einspeiseprofil auf den Punkt gebracht

  • Definition: Zeitlicher Verlauf, mit dem eine Erzeugungsanlage – meist eine Photovoltaik-Anlage – elektrische Leistung in das Stromnetz einspeist, typischerweise in 15-Minuten-Werten über ein Kalenderjahr
  • Zwei Bedeutungen: Im engeren Sinn der gemessene oder prognostizierte Lastgang einer einzelnen Anlage; im weiteren Sinn ein standardisiertes Bilanzierungsprofil (z. B. das BDEW-Standardeinspeiseprofil P25) für Netzbetreiber
  • Charakteristisch für PV: Glockenförmige Tagesgangkurve mit Mittagsspitze im Sommer und stark abgesenktem Winterprofil
  • Wirtschaftliche Relevanz: Form des Einspeiseprofils entscheidet seit dem Solarspitzengesetz mit über die Erlöse – flache Profile vermeiden negative Strompreise in den Mittagsstunden
  • Steuerungshebel: Modulausrichtung, Aufständerungsart, Tracker-Systeme, Batteriespeicher und Agri-PV-Geometrie verändern die Form des Profils gezielt

Was ist ein Einspeiseprofil?

Ein Einspeiseprofil beschreibt, wie viel elektrische Leistung eine Erzeugungsanlage zu welchem Zeitpunkt in das Netz einspeist. Der Verlauf wird üblicherweise in viertelstündlichen Leistungswerten über einen Tag, einen Monat oder ein ganzes Kalenderjahr dargestellt. Aggregiert über alle Stunden ergibt sich daraus die jährliche Einspeisemenge in Kilowattstunden – das Pendant zum Lastgang auf der Verbrauchsseite.

In der energiewirtschaftlichen Praxis werden zwei Ebenen unterschieden:

  • Anlagenspezifisches Einspeiseprofil: Der konkret gemessene oder simulierte Verlauf einer einzelnen Anlage – relevant für Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Ertragsgutachten und die Vermarktung über einen Direktvermarkter im Rahmen der Direktvermarktung
  • Standardisiertes Einspeiseprofil: Ein durch den Netzbetreiber zugewiesenes Referenzprofil zur bilanziellen Abbildung von Anlagen ohne registrierende Leistungsmessung – Grundlage für Bilanzkreismanagement und Mengenermittlung

Für Photovoltaik-Anlagen unter 100 kW Leistung verwenden viele Verteilnetzbetreiber repräsentative Standardeinspeiseprofile, die auf historischen Lastganganalysen und Wetterdaten beruhen. Größere Anlagen – darunter praktisch alle Agri-PV-Projekte – sind über eine registrierende Leistungsmessung mit echten Viertelstundenwerten an den Bilanzkreis ihres Direktvermarkters angeschlossen.

Wie ist ein typisches PV-Einspeiseprofil aufgebaut?

Tagesverlauf

Eine konventionelle, südausgerichtete PV-Freiflächenanlage erzeugt ihr charakteristisches Glockenprofil: Der Tagesverlauf beginnt morgens, erreicht zwischen 12 und 14 Uhr die maximale Einspeiseleistung und fällt am Abend wieder auf null. Die Mittagsspitze kann an wolkenlosen Sommertagen über 80 Prozent der installierten Nennleistung erreichen. Genau diese Spitzen sind heute der Grund, warum negative Strompreise im Mittagsfenster gehäuft auftreten – besonders an Wochenenden und Feiertagen.

Jahresverlauf

Im Jahresverlauf folgt das Profil der Sonneneinstrahlung: Mai bis August liefern den größten Anteil der Jahresenergie, die Wintermonate Dezember und Januar nur einen Bruchteil davon. In Deutschland erreichen Tracksysteme typischerweise 20% mehr Volllaststunden pro Jahr als klassische Süd-ausgerichtete Freiflächen-Photovoltaikanalgen, mit deutlichen regionalen Unterschieden zwischen Norddeutschland und süddeutschen Standorten.

Das klassische Glockenprofil ist aus systemischer Sicht zunehmend problematisch: Es konzentriert die Einspeisung genau in den Stunden, in denen die bundesweite PV-Erzeugung ohnehin am höchsten ist. Anlagen mit abweichendem Profil werden deshalb am Strommarkt aufgewertet.

Welche Faktoren formen das Einspeiseprofil?

Die Form des Profils ist kein Naturgesetz – sie lässt sich durch die Auslegung der Anlage gezielt verändern. Fünf Hebel sind in der Praxis entscheidend:

  • Modulausrichtung: Süd-Ausrichtung maximiert den Jahresertrag, erzeugt aber die schärfste Mittagsspitze; Ost-West-Ausrichtungen liefern ein flacheres Profil mit Morgen- und Abendpeak
  • Aufständerung: vertikale Agri-PV-Systeme mit bifazialen Modulen erzeugen zwei Tagesspitzen am Vormittag und Spätnachmittag – das vermeidet die Mittags-Negativpreise
  • Nachführung: Tracker-Systeme verlängern die Einspeisedauer pro Tag und glätten das Profil; einachsige Tracker erreichen bis zu 20 Prozent Mehrertrag bei gleichmäßigerer Verteilung
  • Anlagengröße im Verhältnis zum Wechselrichter: Bewusst überdimensionierte Modulflächen am Wechselrichter („DC-Overbuild“) kappen die Mittagsspitze und erhöhen die Auslastung in Randstunden
  • Batteriespeicher: Ein integrierter Batteriespeicher entkoppelt das Einspeise- vom Erzeugungsprofil vollständig – Strom wird in Hochpreisphasen verlagert eingespeist

Standardeinspeiseprofile P25 und S25 nach BDEW

Mit den am 18. März 2025 veröffentlichten neuen Standardlastprofilen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es erstmals standardisierte Kombinationsprofile für Haushalte mit eigener PV-Erzeugung:

  • P25 (Prosumer ohne Speicher): Bilanzierungsprofil für Haushaltskunden mit PV-Anlage ohne Batteriespeicher – ersetzt für diese Gruppe das alte Profil H0 aus dem Jahr 1999
  • S25 (Prosumer mit Speicher): Bilanzierungsprofil für Haushaltskunden mit PV-Anlage und Heimspeicher – bildet das deutlich flachere Restbezugsverhalten ab
  • Monatliche Differenzierung: Statt drei Jahreszeiten (Sommer, Winter, Übergang) gilt seit 2025 ein eigenes Profil je Kalendermonat, bundeslandspezifischer Feiertagskalender inklusive
  • Anwendungsgrenze: Standardprofile werden bis zu einem Jahresverbrauch von 100.000 kWh genutzt; darüber gilt die registrierende Leistungsmessung mit echten Viertelstundenwerten

Für die Bilanzierung von Volleinspeisung aus PV-Anlagen wird in der Regel kein BDEW-Standardprofil genutzt, sondern ein anlagenscharfes tagesparameterabhängiges Einspeiseprofil auf Basis aktueller Strahlungsdaten. Der BDEW weist in seiner Anwendungshilfe ausdrücklich darauf hin, dass bei Verwendung von P25 oder S25 die Einspeiseseite – also die tatsächliche Netzeinspeisung der PV-Anlage – durch den Netzbetreiber separat bilanziert werden muss.

Welche Rolle spielt das Einspeiseprofil für Agri-PV?

Agri-PV-Anlagen liegen leistungsmäßig praktisch immer im Bereich der verpflichtenden Direktvermarktung über 100 kWp – das Einspeiseprofil wird damit zur zentralen wirtschaftlichen Größe. Drei Effekte sind besonders relevant:

  • Geometriebedingte Profilformen: Agri-PV-Anlagen mit größeren Reihenabständen verschatten sich gegenseitig weniger und liefern dadurch ein gleichmäßigeres Tagesprofil als dichte Freiflächenanlagen
  • Tracker-Systeme als Profil-Optimierer: Agri-PV mit Tracker-System erzeugen ein besseres Einspeiseprofil auch am Vormittag und Spätnachmittag – ihre Erlöse pro eingespeiste Kilowattstunde liegen am Spotmarkt häufig deutlich über dem Marktwert Solar konventioneller Anlagen
  • Nachholregelung greift seltener: Wer ein flacheres Profil hat, ist seltener von der Nullvergütung nach § 51a EEG betroffen und verliert weniger Förderstunden in Phasen mit negativen Strompreisen
  • Kombination mit Speicher: Eine Co-Location mit Batteriespeicher entkoppelt das Einspeise- vom Erzeugungsprofil komplett und erlaubt eine gezielte Vermarktung in Hochpreisstunden – inzwischen Standard bei größeren Agri-PV-Projekten

Bei verpachteten Agri-PV-Flächen trägt der Anlagenbetreiber das Profil- und Vermarktungsrisiko. Für den Landwirt zählt die Mindestpacht – sie wird unabhängig von der konkreten Form des Einspeiseprofils gezahlt.

Wie unterscheidet sich das Einspeiseprofil vom Lastprofil?

Einspeise- und Lastprofile sind zwei Seiten derselben Medaille – sie beschreiben den zeitlichen Verlauf elektrischer Leistung, jedoch aus entgegengesetzter Perspektive:

  • Lastprofil: Beschreibt den zeitlichen Verlauf des Stromverbrauchs einer Marktlokation – z. B. der Haushalt, der morgens und abends mehr verbraucht; klassisches Beispiel ist das BDEW-Profil H25
  • Einspeiseprofil: Beschreibt den zeitlichen Verlauf der Stromerzeugung und -einspeisung – z. B. die PV-Anlage mit Mittagsspitze; Pendant bei Wind ist das windgeprägte Einspeiseprofil
  • Bilanzielle Verknüpfung: Beide Seiten werden im Bilanzkreis zusammengeführt – die Differenz zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Verlauf wird als Ausgleichsenergie abgerechnet

Wichtig in der Praxis: Eine fehlerhafte Prognose des Einspeiseprofils erzeugt Ausgleichsenergiekosten, die der Direktvermarkter trägt. Bei Agri-PV-Anlagen, die im Vergleich zu klassischer Süd-ausgerichteter Freiflächen-PV weniger historische Vergleichsdaten haben, ist die Prognosegüte besonders wichtig – moderne Direktvermarkter setzen hier auf KI-gestützte Wettermodelle und Live-Daten der Anlage.

Wie wirkt das Einspeiseprofil auf den Marktwert?

Der Marktwert Solar wird von den Übertragungsnetzbetreibern monatlich ermittelt: Er ist der durchschnittliche Börsenpreis für Solarstrom, gewichtet mit der bundesweiten PV-Einspeisung. Da alle konventionellen PV-Anlagen ihre Mittagsspitze gleichzeitig produzieren, liegt der Marktwert Solar systematisch unter dem Basis-Marktpreis – dieser Effekt heißt „Kannibalisierung“.

Anlagen mit abweichendem Einspeiseprofil profitieren davon:

  • Flaches Profil schlägt Glockenprofil: Wer mehr in den Morgen- und Abendstunden einspeist, erzielt höhere Erlöse pro Kilowattstunde, weil dort der Strompreis im Mittel über dem Mittagspreis liegt
  • Profil + Speicher: Die zeitliche Verlagerung der Einspeisung über einen Batteriespeicher öffnet zusätzlich Erlöskanäle wie Spotmarkt-Arbitrage und Regelenergievermarktung
  • Bonus für netzdienliche Profile: Im EEG-Reformentwurf 2027 wird diskutiert, profilabhängige Bonuskomponenten einzuführen, um netzdienliches Einspeiseverhalten direkt zu vergüten

Wie wird das Einspeiseprofil in der Praxis ermittelt?

Bei Agri-PV-Anlagen und allen Anlagen mit registrierender Leistungsmessung läuft die Profilermittlung in drei Schritten ab:

  • Echtzeit-Messung: Ein intelligentes Messsystem (Smart Meter Gateway) misst die eingespeiste Leistung viertelstundenscharf und liefert die Daten an den Netzbetreiber und den Direktvermarkter
  • Prognose: Der Direktvermarkter erstellt auf Basis von Wetterdaten, historischen Erträgen und Anlagengeometrie eine Day-Ahead-Prognose des Einspeiseprofils und meldet sie an den Bilanzkreisverantwortlichen
  • Abrechnung und Ausgleich: Tatsächlich eingespeiste Mengen werden gegen die Prognose verglichen; Abweichungen werden als Ausgleichsenergie zwischen Direktvermarkter und Übertragungsnetzbetreiber verrechnet

Die Qualität der Profilprognose entscheidet darüber, wie viel von den Markterlösen tatsächlich beim Anlagenbetreiber ankommt. Bei Agri-PV-Anlagen mit komplexer Geometrie – etwa hochgeständerten Systemen über Sonderkulturen oder vertikalen Reihen zwischen Ackerstreifen – sind spezialisierte Direktvermarkter mit Erfahrung in der Profilmodellierung ein wichtiger Faktor.

Häufig gestellte Fragen

Welche Flächen kommen für Agri-PV-Anlagen in Frage?

Grundsätzlich eignen sich die meisten Flächen, auf denen Landwirtschaft betrieben wird. Problematisch sind Flächen in bestimmten Naturschutzgebieten, wie bspw. Vogelschutzgebiet oder Flora-Fauna-Habitat. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Agri-PV Anlage ist je nach Standort, Flächenstruktur und Netzinfrastruktur oft aber erst ab einer bestimmten Flächengröße möglich: Jede landwirtschaftliche Fläche bis 2,5ha in Hofnähe sowie Grünland ab 5 ha und Acker ab 10ha.

Was kann auf der Fläche angebaut werden?

Generell kann die Fläche bei Agri-PV sowohl als Dauergrünland als auch für Ackerbau oder den Anbau von Dauerkulturen genutzt werden. Bei bodennahen nachgeführten Agri-PV-Systemen ist der Anbau von hochwachsenden Pflanzen ab einer Wuchshöhe von 1,50m (z.B. Mais, Sonnenblumen) problematisch, da diese die Module verschatten und somit den Stromertrag reduzieren können.

Kann eine Agri-PV-Anlage auch auf einer Fläche mit Nutztierhaltung gebaut werden?

Grundsätzlich kann Agri-PV auch mit Nutztierhaltung kombiniert werden. Hier bieten sich insbesondere hoch aufgeständerte Solaranlagen sowie nachgeführten Tracker Systemen Module an. Die Anlage und die Nutztierhaltung muss in einem landwirtschaftlichen Gesamtkonzept umgesetzt werden, aus dem ersichtlich ist, dass die Nutztiere von der Anlage profitieren.

Wie breit ist der Bewirtschaftungsstreifen?

Die Breite des Bewirtschaftungsstreifens bei Agri-PV-Anlagen liegt typischerweise zwischen 9 und 12 Metern, abhängig von der Bewirtschaftungsform. Unter den Modulen wird ein 1–2 Meter breiter Biodiversitätsstreifen angelegt, der zur ökologischen Aufwertung dient und als Pufferzone rechts und links zur Modulaufständerung fungiert. Mindestens 9 Meter Arbeitsbreite sind notwendig, um Verschattungen zwischen den Modulreihen zu vermeiden und sicherzustellen, dass gemäß DIN SPEC 91434 auf Ackerflächen mindestens 85 % und auf Grünland mehr als 90 % der Fläche bewirtschaftet werden können. Der Reihenabstand wird so gewählt, dass er sowohl die statischen Anforderungen (z.B.: Windlasten) als auch eine ausreichende Energieerzeugung und eine effiziente landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht.

Inwieweit wird die Nutzung der Fläche für die Landwirtschaft beeinflusst?

Selbstverständlich bringt der Aufbau einer Agri-PV-Anlage gewisse Einschränkungen für die Bearbeitung des Feldes mit sich. Diese sind jedoch aufgrund der individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmten Reihenabstände (i.d.R. 11-14 m; auch größer möglich), die an die Größe der Maschinen angepasst werden können, überschaubar. Zudem bleibt das Vorgewende erhalten mit einer Breite, die individuell mit Ihnen abgestimmt wird.

Wie sind die Auswirkungen einer Agri-PV-Anlage auf den landwirtschaftlichen Ertrag?

Nach derzeitigen Erkenntnissen (v.a. Studien des Frauenhofer ISE und Technologieförderzentrum Bayern) gibt es – je nach Reihenabstand, Feldfrucht und konkreten Wetterbedingungen – z.T. leicht positiven, z.T. leicht negative Auswirkungen auf Menge und Qualität des Ertrags. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Vorgaben, die für die gesetzliche Förderung nach dem EEG erfüllt sein müssen (Erzielen von 66 % des landwirtschaftlichen Referenzertrags, s. DIN SPEC 91434), in allen Versuchen unproblematisch erreicht wurden.

Wie trägt die Agri-PV Anlage zur ökologischen Aufwertung der Fläche bei ?

Agri-PV-Anlagen tragen wesentlich zur ökologischen Aufwertung landwirtschaftlicher Flächen bei. Sie bieten Schutz vor Winderosion, indem die Solarmodule als Barriere wirken und den Boden stabilisieren. Zudem schützen sie vor Extremwetterphänomenen wie Hagel und Starkregen, wodurch Schäden an Erntepflanzen minimiert werden. Die teilweise Beschattung der Pflanzen verhindert Austrocknung, erhöht die Bodenfeuchtigkeit und kann in heißen Sommern zu gesteigerten Erträgen führen. Darüber hinaus erhalten Agri-PV-Anlagen der Fläche eine „Pause“ von intensiver Landwirtschaft, was die Bodengesundheit fördert und die Biodiversität unterstützt.

Welche Genehmigungen sind erforderlich, um Agri-PV-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen zu errichten?

Grundsätzlich lässt sich das sehr klar unterscheiden – je nachdem, ob es sich um eine kleinere privilegierte Agri-PV-Anlage bis ca. 2,5 ha oder um eine großskalige Agri-PV-Anlage handelt:

Kleinere Anlagen bis ca. 2,5 ha (privilegiert nach § 35 Abs. 9 Nr. 1 BauGB):
Diese Anlagen sind planungsrechtlich privilegiert und benötigen daher kein Bauleitplanverfahren gemeinsam mit der Gemeinde. In der Regel reicht ein Bauantrag beim zuständigen Landratsamt.
Wenn die Kriterien Hofnähe, direkt-räumlich funktionaler Zusammenhang zur Hofstelle sowie eine Anlage pro Hofstelle erfüllt sind, ist eine Genehmigung innerhalb von ca. 4 Monaten grundsätzlich möglich.

Große Agri-PV-Anlagen:
Bei größeren Projekten ist der Prozess in der Regel umfangreicher und umfasst häufig ein Bauleitplanverfahren (Flächennutzungsplan/Bebauungsplan) inklusive der dazugehörigen Gutachten und Beteiligungen (z. B. Umweltprüfung, Artenschutz, Fachbehörden, Öffentlichkeit).

Wir übernehmen die Koordination der gesamten Schritte, binden Behörden und Fachgutachter ein und sorgen für eine saubere, prüffähige Dokumentation. Die Dauer variiert entsprechend – von mehreren Monaten (bei kleineren Anlagen, je nach Rahmenbedingungen) bis länger bei großskaligen Projekten. Parallel läuft meist die Klärung der Netzanbindung, die den Zeitplan wesentlich beeinflussen kann.

Wie wird Natur- und Artenschutz bei einem Agri-PV-Projekt berücksichtigt?

Artenschutz und Biodiversität sind fester Bestandteil unserer Projektentwicklung. Wir prüfen frühzeitig, welche Schutzgüter betroffen sein können (z. B. Brutvögel, Feldhamster, Fledermäuse oder Biotope) und stimmen die Vorgehensweise mit den zuständigen Behörden und Gutachtern ab. Wenn nötig, werden Kartierungen über geeignete Zeiträume durchgeführt und konkrete Maßnahmen eingeplant – etwa Schutz- und Rückzugsräume, angepasste Pflegekonzepte oder Bauzeitenregelungen. Ziel ist eine Lösung, die Landwirtschaft und Natur gleichermaßen berücksichtigt.

Wird Boden versiegelt oder die Fläche dauerhaft „verbraucht“?

Nein — Agri-PV ist darauf ausgelegt, die landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten und die Fläche jederzeit in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. In der Regel werden keine Fundamente gegossen: Die Unterkonstruktion wird gerammt, sodass keine dauerhafte Bodenversiegelung entsteht, sondern nur temporäre und sehr punktuelle Eingriffe (typischerweise < 1 % der Fläche).Die Fläche bleibt weiterhin bewirtschaftbar, und durch angepasste Pflege- und Nutzungskonzepte können je nach Standort sogar positive Effekte entstehen – etwa Bodenschutz, Mikroklima-Vorteile und mehr Biodiversität. Außerdem ist die Anlage grundsätzlich vollständig rückbaubar; das ist vertraglich geregelt.

Was ist der Unterschied zwischen Einspeiseprofil und Standardlastprofil?

Ein Lastprofil beschreibt den Stromverbrauch einer Marktlokation, ein Einspeiseprofil dagegen den Verlauf der Stromerzeugung und -einspeisung. Beide werden im Bilanzkreis zusammengeführt. Bei Anlagen ohne Lastgangmessung weist der Netzbetreiber ein Standardprofil zu – seit 2025 gibt es für PV-Haushalte die neuen Kombinationsprofile P25 und S25.

Warum ist das Einspeiseprofil für Agri-PV besonders wichtig?

Agri-PV-Anlagen liegen leistungsmäßig praktisch immer über 100 kWp und unterliegen damit der verpflichtenden Direktvermarktung. Ihre Erlöse hängen direkt vom Einspeiseprofil ab. Hochgeständerte und vertikale Agri-PV-Systeme erzeugen häufig flachere oder zweigipflige Profile, die negative Mittagspreise umgehen – das schlägt sich in einem höheren Marktwert pro Kilowattstunde nieder.

Kann ich das Einspeiseprofil meiner Anlage gezielt beeinflussen?

Ja. Über die Modulausrichtung, die Aufständerungsart, den Einsatz von Trackern, das Verhältnis zwischen Modul- und Wechselrichterleistung sowie über einen Batteriespeicher lässt sich das Profil aktiv formen. Bei verpachteten Flächen ist das Sache des Anlagenbetreibers – als Landwirt müssen Sie sich darum nicht kümmern.

Was sind die BDEW-Profile P25 und S25?

Das sind die am 18. März 2025 vom BDEW veröffentlichten neuen Standardlastprofile für Haushalte mit PV-Anlage (P25) bzw. PV-Anlage und Batteriespeicher (S25). Sie ersetzen schrittweise das alte H0-Profil aus dem Jahr 1999 und bilden bidirektionale Energieflüsse realistisch ab. Für PV-Volleinspeiseanlagen werden jedoch in der Regel anlagenscharfe tagesparameterabhängige Profile genutzt.

Wie wirkt sich das Einspeiseprofil auf den Marktwert Solar aus?

Konventionelle PV-Anlagen mit Mittagsspitze erzeugen alle gleichzeitig, weshalb der Marktwert Solar systematisch unter dem Basis-Marktpreis liegt („Kannibalisierungseffekt“). Anlagen mit flachem oder verschobenem Profil – etwa vertikale Agri-PV oder Anlagen mit Speicher – erzielen häufig höhere Erlöse pro Kilowattstunde, weil sie Strom in den teureren Morgen- und Abendstunden einspeisen.

Warum produzieren Agri-PV Anlagen mehr Strom als Freiflächen Solaranlagen ?

Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen deutlich mehr Strom ("Volllaststunden") als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen. Je nach Standort können problemlos 1.400 kWh/kW im Jahr erzeugt werden.

Warum erreichen Agri-PV Anlagen einen höheren Wert in der Direktvermarktung als Freiflächen Solaranlagen?

Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen vermehrt Strom in den Morgen- und Abendstunden. In diesen Zeiten ist der Strombedarf bereits hoch, da die Industrie schon/noch Strom benötigt, während das Stromangebot durch die vor allem nach Süden ausgerichteten Freiflächen- und Dachanlagen noch gering ist. Agri-PV Anlagen können dann stark von den hohen Strompreisen profitieren.

Warum bekommen Agri-PV Anlagen eine höhere EEG-Vergütung als Freiflächen Solaranlagen?

Unter dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) bekommen Agri-PV Anlagen wegen ihrem netzdienlichem und sozialverträglichem Konzept eine höhere Vergütung als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen.

Wie lange kann man mit Erträgen rechnen?

Die Pachtverträge für unsere Anlagen laufen mind. 30 Jahre, wobei hier die letzten 10 Jahre durch die in der Regel dann zurückgeführte Finanzierung am ertragreichsten sind. Nach Ablauf der 30 Jahre müssen mit den Flächeneigentümern neue Pachtverträge abgeschlossen werden, damit die Anlage weiter Strom produzieren kann.

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