Was ist Agri-Photovoltaik (Agri-PV)?
Agri-Photovoltaik, kurz Agri-PV, bezeichnet die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für die Erzeugung von Solarstrom und die landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Die Module werden so installiert, dass mindestens 85 % der Fläche weiterhin bewirtschaftet werden können. Agri-PV schafft für Landwirte eine planbare, zusätzliche Einnahmequelle - ohne ihren Betrieb einzuschränken.
Inhaltsverzeichnis
Agri-PV auf den Punkt gebracht
- Doppelnutzung: Solarstrom und Landwirtschaft auf derselben Fläche
- Flächenerhalt: Ackerstatus, GAP-Förderfähigkeit und steuerliche Privilegien bleiben vollständig erhalten
- Anpassung an den Betrieb: Modulreihen, Höhen und Abstände werden individuell auf den vorhandenen Maschinenpark abgestimmt
- Kein wirtschaftliches Risiko für Landwirte: Pachteinnahmen fließen unabhängig vom Stromertrag
Wie funktioniert Agri-Photovoltaik?
Das Grundprinzip ist einfach: Die Solarmodule werden mithilfe spezieller Trägersysteme höher und mit größeren Abständen über der landwirtschaftlichen Fläche positioniert als bei konventionellen Solarparks. Unter und zwischen den Modulreihen bewirtschaftet der Landwirt seinen Acker, pflegt Grünland oder lässt Nutztiere weiden.
Die Reihenabstände liegen typischerweise bei 9 bis 12 Metern und werden individuell auf den Maschinenpark des Betriebs abgestimmt. Die lichte Höhe beträgt mindestens 2,10 Meter – bei Tierhaltung entsprechend mehr. So fahren Traktoren, Mähdrescher und Pflüge problemlos zwischen den Modulreihen hindurch.
Die DIN SPEC 91434 definiert die Anforderungen an echte Agri-PV-Systeme: Hochgeständerte Anlagen dürfen maximal 10 % der Fläche beanspruchen, bodennahe Systeme maximal 15 %. Gleichzeitig muss der landwirtschaftliche Ertrag mindestens 66 % des Referenzwerts erreichen.
Eine Agri-PV-Anlage passt sich an die vorhandene Bewirtschaftung an – nicht umgekehrt. Abstände, Höhen und Ausrichtung werden gemeinsam mit dem Landwirt geplant, damit der Betriebsablauf ungestört bleibt.
Welche Anlagentypen gibt es?
Horizontale Systeme
Die verbreitetste Bauform. Die Module verlaufen parallel zum Boden in Reihen mit 9 bis 12 Metern Abstand. Unter den Modultischen entsteht ein Teilverschattungsbereich, der bei empfindlichen Kulturen wie Salat, Spinat oder Kartoffeln sogar Vorteile bietet: geringere Bodenerwärmung, bessere Feuchtigkeitsspeicherung und reduzierter Hitzestress.
Vertikale Systeme
Die Module stehen senkrecht im Feld, meist in Nord-Süd-Ausrichtung. Diese Bauform eignet sich besonders für Kulturen mit hohem Lichtbedarf oder bei engen Bearbeitungsstreifen. Häufig kommen hier bifaziale Module zum Einsatz, die Sonnenlicht von beiden Seiten aufnehmen.
Nachgeführte Systeme (Tracker)
Die fortschrittlichste Variante. Tracker passen den Neigungswinkel der Module dynamisch an den Sonnenstand an. Einachsige Systeme bewegen sich mit bis zu 70° Neigung entlang einer Ost-West-Achse und erzielen 20 bis 30 % mehr Volllaststunden als starre Anlagen. Die Vorteile im Überblick:
- Gleichmäßigere Stromproduktion über den gesamten Tag
- Weniger Einspeisespitzen, die zu Abregelung führen
- Höhere Wirtschaftlichkeit durch bessere Netzauslastung
- Module lassen sich per Fernbedienung flach stellen, z.B. für Ernteeinsätze
Welche Vorteile bietet Agri-PV für Landwirte?
Finanzielle Sicherheit
Die Einnahmen setzen sich aus einer attraktiven Mindestpacht und einer prozentualen Umsatzbeteiligung am erzeugten Solarstrom zusammen. Das wirtschaftliche Risiko liegt beim Betreiber – der Landwirt erhält gesicherte und planbare Pachteinnahmen unabhängig davon, wie viel Strom die Anlage produziert.
Vollständiger Flächenerhalt
Anders als bei klassischer Freiflächen-PV bleibt bei Agri-PV der Ackerstatus erhalten. Das bedeutet konkret:
- GAP-Förderfähigkeit bleibt bestehen – die Fläche zählt weiterhin als landwirtschaftlich genutzt
- Erbschaftssteuerliche Privilegierung greift weiter – die Fläche bleibt im landwirtschaftlichen Betriebsvermögen
- Weniger Flächenverlust für die Nahrungsmittelproduktion
Agronomische Vorteile
Die Teilverschattung durch die Module kann die Bewirtschaftung sogar verbessern:
- Dürreschutz: Reduzierte Verdunstung bei Hitzeperioden
- Erosionsschutz: Weniger Wind- und Wasserosion
- Tierwohl: Weidetiere profitieren von Schattenplätzen – Studien belegen reduzierte Körpertemperaturen und Atemfrequenzen bei Milchkühen unter Agri-PV-Modulen
Auf optimal geeigneten Flächen in Deutschland könnten laut Fraunhofer ISE rund 500 Gigawatt PV-Leistung durch Agri-PV installiert werden. Das übersteigt sogar die deutschen Ausbauziele bis 2040 und zeigt das enorme Potenzial dieser Technologie.
Der Weg zum eigenen Agri-PV-Projekt
Der typische Ablauf gliedert sich in vier Phasen:
1. Kostenlose Flächenprüfung Standortfaktoren wie Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit, Netzanschlussmöglichkeiten und die bestehende landwirtschaftliche Nutzung werden bewertet.
2. Pachtvertrag Es wird ein individueller Pachtvertrag geschlossen, der Mindestpacht, Umsatzbeteiligung, Laufzeit und Rückbauverpflichtung regelt. Seriöse Betreiber sichern den Rückbau durch Bürgschaften ab.
3. Bauleitverfahren Anwohner und alle relevanten Stellen – darunter die Naturschutzbehörde – werden einbezogen. Nach der Genehmigung beginnt der Bau.
4. Bau und Inbetriebnahme Die Anlage wird errichtet und ans Netz angeschlossen. Der Landwirt bewirtschaftet seine Fläche danach wie gewohnt weiter.
Häufig gestellte Fragen
Grundsätzlich eignen sich die meisten Flächen, auf denen Landwirtschaft betrieben wird. Problematisch sind Flächen in bestimmten Naturschutzgebieten, wie bspw. Vogelschutzgebiet oder Flora-Fauna-Habitat. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Agri-PV Anlage ist je nach Standort, Flächenstruktur und Netzinfrastruktur oft aber erst ab einer bestimmten Flächengröße möglich: Jede landwirtschaftliche Fläche bis 2,5ha in Hofnähe sowie Grünland ab 5 ha und Acker ab 10ha.
Generell kann die Fläche bei Agri-PV sowohl als Dauergrünland als auch für Ackerbau oder den Anbau von Dauerkulturen genutzt werden. Bei bodennahen nachgeführten Agri-PV-Systemen ist der Anbau von hochwachsenden Pflanzen ab einer Wuchshöhe von 1,50m (z.B. Mais, Sonnenblumen) problematisch, da diese die Module verschatten und somit den Stromertrag reduzieren können.
Grundsätzlich kann Agri-PV auch mit Nutztierhaltung kombiniert werden. Hier bieten sich insbesondere hoch aufgeständerte Solaranlagen sowie nachgeführten Tracker Systemen Module an. Die Anlage und die Nutztierhaltung muss in einem landwirtschaftlichen Gesamtkonzept umgesetzt werden, aus dem ersichtlich ist, dass die Nutztiere von der Anlage profitieren.
Die Breite des Bewirtschaftungsstreifens bei Agri-PV-Anlagen liegt typischerweise zwischen 9 und 12 Metern, abhängig von der Bewirtschaftungsform. Unter den Modulen wird ein 1–2 Meter breiter Biodiversitätsstreifen angelegt, der zur ökologischen Aufwertung dient und als Pufferzone rechts und links zur Modulaufständerung fungiert. Mindestens 9 Meter Arbeitsbreite sind notwendig, um Verschattungen zwischen den Modulreihen zu vermeiden und sicherzustellen, dass gemäß DIN SPEC 91434 auf Ackerflächen mindestens 85 % und auf Grünland mehr als 90 % der Fläche bewirtschaftet werden können. Der Reihenabstand wird so gewählt, dass er sowohl die statischen Anforderungen (z.B.: Windlasten) als auch eine ausreichende Energieerzeugung und eine effiziente landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht.
Selbstverständlich bringt der Aufbau einer Agri-PV-Anlage gewisse Einschränkungen für die Bearbeitung des Feldes mit sich. Diese sind jedoch aufgrund der individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmten Reihenabstände (i.d.R. 11-14 m; auch größer möglich), die an die Größe der Maschinen angepasst werden können, überschaubar. Zudem bleibt das Vorgewende erhalten mit einer Breite, die individuell mit Ihnen abgestimmt wird.
Nach derzeitigen Erkenntnissen (v.a. Studien des Frauenhofer ISE und Technologieförderzentrum Bayern) gibt es – je nach Reihenabstand, Feldfrucht und konkreten Wetterbedingungen – z.T. leicht positiven, z.T. leicht negative Auswirkungen auf Menge und Qualität des Ertrags. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Vorgaben, die für die gesetzliche Förderung nach dem EEG erfüllt sein müssen (Erzielen von 66 % des landwirtschaftlichen Referenzertrags, s. DIN SPEC 91434), in allen Versuchen unproblematisch erreicht wurden.
Agri-PV-Anlagen tragen wesentlich zur ökologischen Aufwertung landwirtschaftlicher Flächen bei. Sie bieten Schutz vor Winderosion, indem die Solarmodule als Barriere wirken und den Boden stabilisieren. Zudem schützen sie vor Extremwetterphänomenen wie Hagel und Starkregen, wodurch Schäden an Erntepflanzen minimiert werden. Die teilweise Beschattung der Pflanzen verhindert Austrocknung, erhöht die Bodenfeuchtigkeit und kann in heißen Sommern zu gesteigerten Erträgen führen. Darüber hinaus erhalten Agri-PV-Anlagen der Fläche eine „Pause“ von intensiver Landwirtschaft, was die Bodengesundheit fördert und die Biodiversität unterstützt.
Grundsätzlich lässt sich das sehr klar unterscheiden – je nachdem, ob es sich um eine kleinere privilegierte Agri-PV-Anlage bis ca. 2,5 ha oder um eine großskalige Agri-PV-Anlage handelt:
Kleinere Anlagen bis ca. 2,5 ha (privilegiert nach § 35 Abs. 9 Nr. 1 BauGB):
Diese Anlagen sind planungsrechtlich privilegiert und benötigen daher kein Bauleitplanverfahren gemeinsam mit der Gemeinde. In der Regel reicht ein Bauantrag beim zuständigen Landratsamt.
Wenn die Kriterien Hofnähe, direkt-räumlich funktionaler Zusammenhang zur Hofstelle sowie eine Anlage pro Hofstelle erfüllt sind, ist eine Genehmigung innerhalb von ca. 4 Monaten grundsätzlich möglich.
Große Agri-PV-Anlagen:
Bei größeren Projekten ist der Prozess in der Regel umfangreicher und umfasst häufig ein Bauleitplanverfahren (Flächennutzungsplan/Bebauungsplan) inklusive der dazugehörigen Gutachten und Beteiligungen (z. B. Umweltprüfung, Artenschutz, Fachbehörden, Öffentlichkeit).
Wir übernehmen die Koordination der gesamten Schritte, binden Behörden und Fachgutachter ein und sorgen für eine saubere, prüffähige Dokumentation. Die Dauer variiert entsprechend – von mehreren Monaten (bei kleineren Anlagen, je nach Rahmenbedingungen) bis länger bei großskaligen Projekten. Parallel läuft meist die Klärung der Netzanbindung, die den Zeitplan wesentlich beeinflussen kann.
Artenschutz und Biodiversität sind fester Bestandteil unserer Projektentwicklung. Wir prüfen frühzeitig, welche Schutzgüter betroffen sein können (z. B. Brutvögel, Feldhamster, Fledermäuse oder Biotope) und stimmen die Vorgehensweise mit den zuständigen Behörden und Gutachtern ab. Wenn nötig, werden Kartierungen über geeignete Zeiträume durchgeführt und konkrete Maßnahmen eingeplant – etwa Schutz- und Rückzugsräume, angepasste Pflegekonzepte oder Bauzeitenregelungen. Ziel ist eine Lösung, die Landwirtschaft und Natur gleichermaßen berücksichtigt.
Nein — Agri-PV ist darauf ausgelegt, die landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten und die Fläche jederzeit in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. In der Regel werden keine Fundamente gegossen: Die Unterkonstruktion wird gerammt, sodass keine dauerhafte Bodenversiegelung entsteht, sondern nur temporäre und sehr punktuelle Eingriffe (typischerweise < 1 % der Fläche).Die Fläche bleibt weiterhin bewirtschaftbar, und durch angepasste Pflege- und Nutzungskonzepte können je nach Standort sogar positive Effekte entstehen – etwa Bodenschutz, Mikroklima-Vorteile und mehr Biodiversität. Außerdem ist die Anlage grundsätzlich vollständig rückbaubar; das ist vertraglich geregelt.
Ja. Die Anlage wird an Ihren Maschinenpark angepasst, nicht umgekehrt. Die Modulreihen haben ausreichend Abstand, damit Traktoren, Mähdrescher und andere Maschinen problemlos hindurchfahren können. Bei Tracker-Systemen lassen sich die Module zusätzlich per Fernbedienung flach stellen.
Nein. Bei einer DIN-SPEC-konformen Agri-PV-Anlage bleibt die Fläche im landwirtschaftlichen Betriebsvermögen und behält ihren Ackerstatus. Sie ist weiterhin GAP-förderfähig, und die erbschaftssteuerliche Privilegierung bleibt erhalten.
Die Einnahmen setzen sich aus einer attraktiven Mindestpacht und einer prozentualen Beteiligung am erzeugten Solarstrom zusammen. Das wirtschaftliche Risiko liegt beim Betreiber. Die genauen Konditionen hängen von Flächengröße, Standort und Anlagenkonfiguration ab.
Für die Agri-PV-Nutzung kommen grundsätzlich Ackerflächen, Dauerkulturen und Grünland in Betracht. Eine detaillierte Evaluierung der topografischen und landwirtschaftlichen Standortbedingungen ist jedoch in jedem Einzelfall zwingend erforderlich.Ein Fraunhofer-ISE-Gutachten zeigt, dass Bayern, Bremen und Niedersachsen das höchste Agri-PV-Potenzial in Deutschland aufweisen. Das Öko-Institut beziffert die besonders geeigneten Flächen auf rund 4,3 Millionen Hektar.
Typische Vertragslaufzeiten liegen bei 30 Jahren. Nach Ablauf wird die Anlage fachgerecht zurückgebaut. Seriöse Betreiber legen hierfür Rücklagen an und sichern den Rückbau durch Bürgschaften ab.
Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen deutlich mehr Strom ("Volllaststunden") als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen. Je nach Standort können problemlos 1.400 kWh/kW im Jahr erzeugt werden.
Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen vermehrt Strom in den Morgen- und Abendstunden. In diesen Zeiten ist der Strombedarf bereits hoch, da die Industrie schon/noch Strom benötigt, während das Stromangebot durch die vor allem nach Süden ausgerichteten Freiflächen- und Dachanlagen noch gering ist. Agri-PV Anlagen können dann stark von den hohen Strompreisen profitieren.
Unter dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) bekommen Agri-PV Anlagen wegen ihrem netzdienlichem und sozialverträglichem Konzept eine höhere Vergütung als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen.
Die Pachtverträge für unsere Anlagen laufen mind. 30 Jahre, wobei hier die letzten 10 Jahre durch die in der Regel dann zurückgeführte Finanzierung am ertragreichsten sind. Nach Ablauf der 30 Jahre müssen mit den Flächeneigentümern neue Pachtverträge abgeschlossen werden, damit die Anlage weiter Strom produzieren kann.
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