Einachsiger Tracker bei Agri-PV: Funktion & Vorteile
Ein einachsiger Tracker ist ein Nachführsystem, das Solarmodule entlang einer Achse – meist von Ost nach West – dem Sonnenstand folgen lässt. In der Agri-Photovoltaik kommen einachsige Tracker mit horizontaler Drehachse zum Einsatz und erzielen 20 bis 30 Prozent mehr Volllaststunden als starre Anlagen. Ihr großer Pluspunkt für Landwirte: Die Module lassen sich für die Feldbearbeitung kontrolliert wegdrehen oder flach legen, was die landwirtschaftliche Doppelnutzung erheblich erleichtert.
Inhaltsverzeichnis
Einachsiger Tracker auf den Punkt gebracht
- Funktion: Module folgen dem Sonnenstand entlang einer Drehachse – meist Ost-West – und stehen so möglichst senkrecht zum Sonnenlicht
- Mehrertrag: 20 bis 30 Prozent mehr Volllaststunden gegenüber fest installierten Anlagen mit Südausrichtung
- Tagesprofil: Gleichmäßigere Stromproduktion über den ganzen Tag, mit relevanten Erträgen morgens und abends
- Landwirtschaftlicher Vorteil: Module lassen sich in einen Bewirtschaftungsmodus stellen – jede zweite Reihe wird zugänglich, gefolgt von der jeweils anderen
- DIN-SPEC-konform: Bei einer Drehachse von mindestens 2,10 Metern gilt der Tracker als hochaufgeständertes Agri-PV-System nach DIN SPEC 91434
Was ist ein einachsiger Tracker?
Ein einachsiger Tracker – englisch single-axis tracker – ist ein automatisches Nachführsystem, das Solarmodule entlang einer Drehachse dem Sonnenstand folgen lässt. Die häufigste Bauform in der Agri-Photovoltaik ist der horizontale einachsige Tracker (HSAT) mit einer Nord-Süd verlaufenden Drehachse. Die Module rotieren im Tagesverlauf von Ost nach West und richten sich so möglichst senkrecht zur einfallenden Sonnenstrahlung aus.
Im Unterschied zum zweiachsigen Tracker, der sowohl der täglichen als auch der saisonalen Sonnenbahn folgt, bewegt sich der einachsige Tracker nur in einer Ebene. Das macht ihn mechanisch einfacher, robuster und wirtschaftlicher – bei nur leicht geringerem Mehrertrag. Genau diese Kombination aus Effizienz, Robustheit und Kosteneffizienz hat dazu geführt, dass einachsige Tracker heute der technologische Standard moderner Agri-PV-Großanlagen sind.
Der typische Drehbereich liegt bei ±60 bis ±70 Grad; einige Systeme erlauben Stellungen bis 90 Grad, was das Modul für Wartung oder zur Vermeidung von Schneelasten in eine fast senkrechte Position bringt. Die Steuerung erfolgt über einen astronomischen Algorithmus: Anhand von Standortkoordinaten und Uhrzeit berechnet die Software den Sonnenstand und stellt die Module entsprechend ein – ganz ohne Lichtsensoren.
Ein einachsiger Tracker macht aus einem starren Solarmodul ein dynamisches System, das die Sonne aktiv einfängt – über den ganzen Tag, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang.
Wie funktioniert ein einachsiger Tracker?
Astronomische Steuerung
Moderne einachsige Tracker arbeiten nahezu ausschließlich mit astronomischer Steuerung. Die Software kennt den präzisen Sonnenstand für jeden Standort und jede Uhrzeit und steuert die Drehbewegung entsprechend an. Im Vergleich zur sensorbasierten Steuerung ist sie ausfallsicherer und liefert auch bei bedecktem Himmel verlässliche Ergebnisse, weil sie nicht durch Wolkenkanten oder Reflexionen abgelenkt wird.
Backtracking gegen Eigenverschattung
Ein wichtiges technisches Detail ist das sogenannte Backtracking. Wenn die Sonne morgens und abends sehr flach steht, würde sich eine Modulreihe selbst beschatten oder auf die Nachbarreihe Schatten werfen. Statt die Module exakt zur Sonne zu drehen, fährt der Algorithmus sie in solchen Phasen leicht zurück – gerade so weit, dass keine gegenseitige Verschattung mehr entsteht. Backtracking sichert eine maximale Lichtausnutzung auch bei dichteren Reihenabständen, wie sie in flächeneffizienten Agri-PV-Layouts üblich sind.
Antrieb und Steuerung
Den eigentlichen Drehbewegungen liegt ein elektrischer Motor zugrunde, der über ein Getriebe oder einen Linearantrieb auf das Drehmomentrohr (Torque Tube) wirkt. Auf diesem Rohr sind die Module montiert. Der Energiebedarf des Antriebs ist gering – moderne Tracker verbrauchen weniger als ein Prozent der erzeugten Energie für ihre eigene Steuerung. Bei gefährlichen Windgeschwindigkeiten fahren die Tracker automatisch in eine wind- oder schneesichere Schutzposition (Stow-Position).
Welchen Mehrertrag liefert ein einachsiger Tracker?
Der zentrale Wirtschaftlichkeitsvorteil eines einachsigen Trackers ist der höhere Stromertrag pro installierter Leistung. Aktuelle Praxis- und Studienwerte zeigen folgende Bandbreiten:
- Mitteleuropäische Standorte: 12 bis 25 Prozent Mehrertrag im Vergleich zu starren Süd-ausgerichteten Freiflächen-PV
- Optimierte Agri-PV-Anlagen mit Tracker: 20 bis 30 Prozent mehr Volllaststunden – unser Projekt in Oberndorf am Lech validiert diesen Effekt
- Spitzenstandorte mit hoher Direktstrahlung: bis zu 30 Prozent Mehrertrag, in einzelnen Studien auch darüber
- Jahresertrag pro Kilowatt-peak: Bis zu 1.400 kWh pro kWp und Jahr in optimaler Konfiguration – klassische Süd-ausgerichtete Freiflächen-PV erreichen typischerweise 950 bis 1.100 kWh
Hinzu kommt ein qualitativer Effekt: Tracker erzeugen ihren Strom nicht konzentriert um die Mittagsstunden, sondern gleichmäßiger über den Tag verteilt. Bereits am Morgen und am späten Nachmittag liefern sie relevante Mengen Strom – genau in den Stunden, in denen die Großhandelspreise an der Strombörse höher sind als in der Mittagsspitze.
Tracker-Strom hat einen höheren Marktwert als Strom aus starren Anlagen – nicht, weil das Kilowatt mehr wert ist, sondern weil es zur richtigen Zeit kommt.
Welche Vorteile bietet ein einachsiger Tracker für Agri-PV?
Bewirtschaftungsmodus für die Feldbearbeitung
Der wichtigste landwirtschaftliche Vorteil eines einachsigen Trackers in der Doppelnutzung ist der Bewirtschaftungsmodus. Bei diesem Steuerungsbetrieb neigen sich die Modulreihen alternierend in entgegengesetzte Richtungen, wodurch zwischen den Reihen Bearbeitungsstreifen von bis zu 15 Metern entstehen. Der Landwirt bearbeitet zunächst jede zweite Reihe, schaltet dann den Modus um und bearbeitet die anderen Reihen. Bei Bedarf können die Module sogar in eine annähernd waagerechte oder senkrechte Position gefahren werden – etwa damit Mähdrescher oder hohe Erntemaschinen unter den Modulen hindurchpassen.
Netzfreundliches Einspeiseprofil
Während starre PV-Anlagen ihre Erzeugungsspitze um die Mittagszeit erreichen – genau dann, wenn auch alle anderen PV-Anlagen einspeisen – verteilen Tracker den Ertrag deutlich gleichmäßiger über den Tag. Das senkt das Risiko, in Engpasssituationen abgeregelt zu werden, und reduziert wirtschaftliche Verluste durch Abregelung. Zugleich wird das Stromnetz nicht zur Mittagszeit zusätzlich belastet, was insbesondere in ländlichen Verteilnetzen mit hoher PV-Dichte relevant ist.
Mikroklima und Schutz für Pflanzen
Die bewegliche Modulausrichtung wirkt sich auch auf das Mikroklima unter den Modulen aus. Die wandernde Verschattung verteilt sich gleichmäßig über die Fläche, statt eng begrenzte Dauerschattenzonen zu erzeugen. Studien aus dem Heggelbach-Projekt und der TUM-Versuchsstation in Dürnast zeigen, dass empfindliche Kulturen wie Kartoffeln, Sellerie und Salat unter Trackern gleichbleibende oder sogar leicht erhöhte Erträge erzielen – bei reduziertem Hitzestress in Trockenphasen.
Weidehaltung und Tierwohl
Auch für die Weidehaltung sind nachgeführte Systeme von Vorteil. Tiere können der wandernden Verschattung folgen und finden zu jeder Tageszeit Schattenplätze. Studien belegen messbar reduzierte Körpertemperaturen und Atemfrequenzen bei Milchkühen unter Agri-PV-Systemen – ohne negativen Einfluss auf Milchleistung oder Futteraufnahme.
Was sagt das EEG zu einachsigen Trackern?
Aktuell anwendbar ist das EEG 2023 in der zuletzt im Dezember 2025 geänderten Fassung. Es ordnet Agri-PV-Anlagen – einschließlich solcher mit einachsigen Trackern – als sogenannte besondere Solaranlagen ein. Voraussetzung dafür ist die Konformität mit der DIN SPEC 91434. Die Norm verlangt bei hochaufgeständerten Anlagen eine lichte Höhe von mindestens 2,10 Metern über der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Bei Trackern wird dieser Wert sinngemäß auf die Drehachse bezogen – in steiler Modulstellung kann die Modulkante zwar tiefer reichen, der bestimmungsgemäße Bewirtschaftungsbetrieb erfolgt aber in der Standardstellung.
Vergütung und Ausschreibung
Anlagen bis 1.000 kWp können aktuell die Festvergütung des EEG 2023 nutzen, größere Anlagen treten in die Innovationsausschreibungen der Bundesnetzagentur ein. Die im Solarpaket I vorgesehenen, höheren Höchstwerte für besondere Solaranlagen wirken bis zur EU-Genehmigung nicht; bis dahin gelten die bisherigen Werte des EEG 2023.
Welche Pilotprojekte zeigen den Praxiserfolg?
Althegnenberg in Bayern
Die erste kommerzielle Agri-PV-Anlage Deutschlands mit einachsigem Tracker ging im März 2020 ans Netz. Auf rund zwei Hektar wurden 750 Kilowatt-peak installiert. Vier Jahre Betrieb haben gezeigt: Tracker liefern den prognostizierten Mehrertrag zuverlässig und erleichtern dem bewirtschaftenden Landwirt die Arbeit auf der Fläche erheblich. Die Modulreihen lassen sich für jede Bewirtschaftungsphase passend einstellen.
Veringenstadt in Baden-Württemberg
Im Sommer 2025 wurde in Veringenstadt mit 8,5 MWp eine der bislang größten deutschen Agri-PV-Anlagen mit einachsigen Trackern in Betrieb genommen. Die Anlage erzeugt rund 11 Gigawattstunden pro Jahr und versorgt damit über 3.100 Haushalte – bei voller landwirtschaftlicher Bewirtschaftung der darunterliegenden Fläche. Die Module lassen sich bis in eine fast senkrechte Stellung fahren, was die Bewirtschaftung weiter vereinfacht.
TUM-Versuchsstation Dürnast
Auf eineinhalb Hektar betreibt die Technische Universität München in Dürnast eine Versuchsstation, in der unter anderem Tracker-Reihen mit vertikalen Modulen kombiniert werden. Forschungsschwerpunkte sind Bodenqualität, Erntesicherheit und Biodiversität – und die Frage, welche Modulkonfiguration für welche Kultur den besten Synergieeffekt liefert.
Was kostet ein einachsiger Tracker?
Tracker-Systeme sind in der Anschaffung teurer als starre Aufständerungen. Die Mehrkosten der Unterkonstruktion liegen je nach Anbieter, Topographie und Anlagengröße bei rund 70 bis 120 Euro pro Kilowatt-peak. Über die gesamte Anlagenkalkulation gerechnet bedeutet das eine Investitionssteigerung von 15 bis 25 Prozent gegenüber starren Anlagen – die jedoch durch den Mehrertrag und die höhere Marktwertstellung der erzeugten Kilowattstunden in der Regel mehr als ausgeglichen wird.
Die Wartungskosten liegen geringfügig über jenen starrer Anlagen, weil mechanische Komponenten regelmäßig geprüft werden müssen. Hochwertige Systeme arbeiten heute jedoch wartungsarm, mit Lebensdauern von 25 Jahren und mehr. Wichtig sind redundante Antriebe, robuste Drehmomentrohre aus feuerverzinktem Stahl und ein bewährtes Steuerungskonzept – günstige Billigtracker können hier zur teuren Fehlinvestition werden.
Welche Voraussetzungen müssen am Standort erfüllt sein?
Nicht jeder Standort eignet sich gleich gut für einen einachsigen Tracker. Folgende Faktoren sollten in der Flächenprüfung berücksichtigt werden:
- Topographie: Geringe bis mittlere Geländeneigung ist optimal – manche Tracker tolerieren Nord-Neigungen bis 10 Prozent und Süd-Neigungen bis 20 Prozent
- Windverhältnisse: Stabile Windregionen erfordern verstärkte Konstruktionen oder kürzere Tracker-Reihen
- Bodentragfähigkeit: Rammprofile oder Schraubfundamente müssen das höhere Trägheitsmoment der Tracker sicher aufnehmen können
- Reihenabstand: Größere Reihenabstände als bei starren Anlagen, um Eigenverschattung zu minimieren – typisch 9 bis 15 Meter
- Größe der Anlage: Wirtschaftlich besonders interessant ab Größenordnungen von etwa 1 MWp aufwärts
Verbindung zu anderen Wirkfeldern
Der einachsige Tracker steht nicht isoliert, sondern entfaltet seine Stärken im Zusammenspiel mit anderen Komponenten und Mechanismen einer modernen Agri-PV-Anlage:
- Mit bifazialen Modulen: Tracker maximieren die Vorderseitenleistung – die Rückseite profitiert zusätzlich vom reflektierten Bodenlicht
- Mit Co-Location und Batteriespeichern: Das gleichmäßigere Tageserzeugungsprofil reduziert die nötige Speicherkapazität und erleichtert die Vermarktung
- Mit der Direktvermarktung: Tracker erzeugen mehr Strom in Hochpreisphasen und steigern damit den Marktwert pro Kilowattstunde
- Mit dem Solarspitzengesetz: Weniger Erzeugungsspitzen zur Mittagszeit bedeuten geringeres Risiko für negative Preisstunden
Damit ist der einachsige Tracker mehr als ein technisches Bauteil. Er ist ein strategisches Instrument moderner Agri-PV-Projekte: Er steigert die Energieausbeute, verbessert die Bewirtschaftbarkeit der Fläche, entlastet das Stromnetz – und schafft so die Grundlage für die langfristige Wirtschaftlichkeit einer Doppelnutzungsanlage.
Häufig gestellte Fragen
Grundsätzlich eignen sich die meisten Flächen, auf denen Landwirtschaft betrieben wird. Problematisch sind Flächen in bestimmten Naturschutzgebieten, wie bspw. Vogelschutzgebiet oder Flora-Fauna-Habitat. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Agri-PV Anlage ist je nach Standort, Flächenstruktur und Netzinfrastruktur oft aber erst ab einer bestimmten Flächengröße möglich: Jede landwirtschaftliche Fläche bis 2,5ha in Hofnähe sowie Grünland ab 5 ha und Acker ab 10ha.
Generell kann die Fläche bei Agri-PV sowohl als Dauergrünland als auch für Ackerbau oder den Anbau von Dauerkulturen genutzt werden. Bei bodennahen nachgeführten Agri-PV-Systemen ist der Anbau von hochwachsenden Pflanzen ab einer Wuchshöhe von 1,50m (z.B. Mais, Sonnenblumen) problematisch, da diese die Module verschatten und somit den Stromertrag reduzieren können.
Grundsätzlich kann Agri-PV auch mit Nutztierhaltung kombiniert werden. Hier bieten sich insbesondere hoch aufgeständerte Solaranlagen sowie nachgeführten Tracker Systemen Module an. Die Anlage und die Nutztierhaltung muss in einem landwirtschaftlichen Gesamtkonzept umgesetzt werden, aus dem ersichtlich ist, dass die Nutztiere von der Anlage profitieren.
Die Breite des Bewirtschaftungsstreifens bei Agri-PV-Anlagen liegt typischerweise zwischen 9 und 12 Metern, abhängig von der Bewirtschaftungsform. Unter den Modulen wird ein 1–2 Meter breiter Biodiversitätsstreifen angelegt, der zur ökologischen Aufwertung dient und als Pufferzone rechts und links zur Modulaufständerung fungiert. Mindestens 9 Meter Arbeitsbreite sind notwendig, um Verschattungen zwischen den Modulreihen zu vermeiden und sicherzustellen, dass gemäß DIN SPEC 91434 auf Ackerflächen mindestens 85 % und auf Grünland mehr als 90 % der Fläche bewirtschaftet werden können. Der Reihenabstand wird so gewählt, dass er sowohl die statischen Anforderungen (z.B.: Windlasten) als auch eine ausreichende Energieerzeugung und eine effiziente landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht.
Selbstverständlich bringt der Aufbau einer Agri-PV-Anlage gewisse Einschränkungen für die Bearbeitung des Feldes mit sich. Diese sind jedoch aufgrund der individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmten Reihenabstände (i.d.R. 11-14 m; auch größer möglich), die an die Größe der Maschinen angepasst werden können, überschaubar. Zudem bleibt das Vorgewende erhalten mit einer Breite, die individuell mit Ihnen abgestimmt wird.
Nach derzeitigen Erkenntnissen (v.a. Studien des Frauenhofer ISE und Technologieförderzentrum Bayern) gibt es – je nach Reihenabstand, Feldfrucht und konkreten Wetterbedingungen – z.T. leicht positiven, z.T. leicht negative Auswirkungen auf Menge und Qualität des Ertrags. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Vorgaben, die für die gesetzliche Förderung nach dem EEG erfüllt sein müssen (Erzielen von 66 % des landwirtschaftlichen Referenzertrags, s. DIN SPEC 91434), in allen Versuchen unproblematisch erreicht wurden.
Agri-PV-Anlagen tragen wesentlich zur ökologischen Aufwertung landwirtschaftlicher Flächen bei. Sie bieten Schutz vor Winderosion, indem die Solarmodule als Barriere wirken und den Boden stabilisieren. Zudem schützen sie vor Extremwetterphänomenen wie Hagel und Starkregen, wodurch Schäden an Erntepflanzen minimiert werden. Die teilweise Beschattung der Pflanzen verhindert Austrocknung, erhöht die Bodenfeuchtigkeit und kann in heißen Sommern zu gesteigerten Erträgen führen. Darüber hinaus erhalten Agri-PV-Anlagen der Fläche eine „Pause“ von intensiver Landwirtschaft, was die Bodengesundheit fördert und die Biodiversität unterstützt.
Grundsätzlich lässt sich das sehr klar unterscheiden – je nachdem, ob es sich um eine kleinere privilegierte Agri-PV-Anlage bis ca. 2,5 ha oder um eine großskalige Agri-PV-Anlage handelt:
Kleinere Anlagen bis ca. 2,5 ha (privilegiert nach § 35 Abs. 9 Nr. 1 BauGB):
Diese Anlagen sind planungsrechtlich privilegiert und benötigen daher kein Bauleitplanverfahren gemeinsam mit der Gemeinde. In der Regel reicht ein Bauantrag beim zuständigen Landratsamt.
Wenn die Kriterien Hofnähe, direkt-räumlich funktionaler Zusammenhang zur Hofstelle sowie eine Anlage pro Hofstelle erfüllt sind, ist eine Genehmigung innerhalb von ca. 4 Monaten grundsätzlich möglich.
Große Agri-PV-Anlagen:
Bei größeren Projekten ist der Prozess in der Regel umfangreicher und umfasst häufig ein Bauleitplanverfahren (Flächennutzungsplan/Bebauungsplan) inklusive der dazugehörigen Gutachten und Beteiligungen (z. B. Umweltprüfung, Artenschutz, Fachbehörden, Öffentlichkeit).
Wir übernehmen die Koordination der gesamten Schritte, binden Behörden und Fachgutachter ein und sorgen für eine saubere, prüffähige Dokumentation. Die Dauer variiert entsprechend – von mehreren Monaten (bei kleineren Anlagen, je nach Rahmenbedingungen) bis länger bei großskaligen Projekten. Parallel läuft meist die Klärung der Netzanbindung, die den Zeitplan wesentlich beeinflussen kann.
Artenschutz und Biodiversität sind fester Bestandteil unserer Projektentwicklung. Wir prüfen frühzeitig, welche Schutzgüter betroffen sein können (z. B. Brutvögel, Feldhamster, Fledermäuse oder Biotope) und stimmen die Vorgehensweise mit den zuständigen Behörden und Gutachtern ab. Wenn nötig, werden Kartierungen über geeignete Zeiträume durchgeführt und konkrete Maßnahmen eingeplant – etwa Schutz- und Rückzugsräume, angepasste Pflegekonzepte oder Bauzeitenregelungen. Ziel ist eine Lösung, die Landwirtschaft und Natur gleichermaßen berücksichtigt.
Nein — Agri-PV ist darauf ausgelegt, die landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten und die Fläche jederzeit in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. In der Regel werden keine Fundamente gegossen: Die Unterkonstruktion wird gerammt, sodass keine dauerhafte Bodenversiegelung entsteht, sondern nur temporäre und sehr punktuelle Eingriffe (typischerweise < 1 % der Fläche).Die Fläche bleibt weiterhin bewirtschaftbar, und durch angepasste Pflege- und Nutzungskonzepte können je nach Standort sogar positive Effekte entstehen – etwa Bodenschutz, Mikroklima-Vorteile und mehr Biodiversität. Außerdem ist die Anlage grundsätzlich vollständig rückbaubar; das ist vertraglich geregelt.
Einachsige Tracker bewegen sich nur entlang einer Achse – meist Ost-West – und folgen so dem Tagesverlauf der Sonne. Zweiachsige Tracker berücksichtigen zusätzlich die jahreszeitliche Sonnenhöhe und liefern dadurch nochmals etwas höheren Mehrertrag. In Agri-PV-Großanlagen dominieren einachsige Tracker, weil sie mechanisch einfacher, robuster und wirtschaftlich attraktiver sind – bei nur leicht geringerem Mehrertrag.
An mitteleuropäischen Standorten liegt der Mehrertrag typischerweise zwischen 20 und 30 Prozent gegenüber starren Süd-Anlagen. In gut geplanten Agri-PV-Anlagen mit optimierten Reihenabständen werden 1.200 bis 1.400 kWh pro Kilowatt-peak und Jahr erzielt. Zusätzlich verteilt sich die Erzeugung gleichmäßiger über den Tag, was den Marktwert des erzeugten Stroms erhöht.
Der Bewirtschaftungsmodus ist eine spezielle Steuerung, bei der die Modulreihen alternierend in entgegengesetzte Richtungen geneigt werden. Dadurch entstehen breite Bearbeitungsstreifen von bis zu 14 Metern – jede zweite Reihe wird zugänglich. Nach Abschluss der Bearbeitung wird der Modus umgeschaltet, sodass die anderen Reihen bewirtschaftet werden können. Module lassen sich auch flach legen, damit Mähdrescher oder hohe Erntemaschinen unter ihnen hindurchpassen.
In der Regel ja. Die Mehrkosten von 70 bis 120 Euro pro Kilowatt-peak werden durch den 20 bis 30 Prozent höheren Stromertrag und den höheren Marktwert der erzeugten Kilowattstunden in der Regel deutlich überkompensiert. Hinzu kommt der landwirtschaftliche Vorteil durch den Bewirtschaftungsmodus, der die Doppelnutzung erheblich erleichtert. Wirtschaftlich besonders attraktiv sind Tracker bei Anlagengrößen ab etwa 1 MWp.
Die Drehachse muß mindestens 2,10 Meter über dem Boden liegen – in dieser Standardstellung gilt der Tracker als hochaufgeständertes Agri-PV-System nach DIN SPEC 91434. Das Solarpaket I (Mai 2024) sieht zusätzlich vor, dass die lichte Höhe in jeder Modulausrichtung einen Mindestwert nicht unterschreiten darf. Diese ergänzende Vorgabe ist aber Teil der beihilferelevanten Solarpaket-I-Bestandteile, deren EU-Genehmigung weiterhin aussteht.
Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen deutlich mehr Strom ("Volllaststunden") als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen. Je nach Standort können problemlos 1.400 kWh/kW im Jahr erzeugt werden.
Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen vermehrt Strom in den Morgen- und Abendstunden. In diesen Zeiten ist der Strombedarf bereits hoch, da die Industrie schon/noch Strom benötigt, während das Stromangebot durch die vor allem nach Süden ausgerichteten Freiflächen- und Dachanlagen noch gering ist. Agri-PV Anlagen können dann stark von den hohen Strompreisen profitieren.
Unter dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) bekommen Agri-PV Anlagen wegen ihrem netzdienlichem und sozialverträglichem Konzept eine höhere Vergütung als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen.
Die Pachtverträge für unsere Anlagen laufen mind. 30 Jahre, wobei hier die letzten 10 Jahre durch die in der Regel dann zurückgeführte Finanzierung am ertragreichsten sind. Nach Ablauf der 30 Jahre müssen mit den Flächeneigentümern neue Pachtverträge abgeschlossen werden, damit die Anlage weiter Strom produzieren kann.

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