Agri-PV im Überblick: Chancen, Rahmenbedingungen und Umsetzung

Agri-PV im Überblick: Chancen, Rahmenbedingungen und Umsetzung
In einer weitern Ausgabe unserer Webinar-Reihe haben wir Agri-PV erneut ganzheitlich beleuchtet - dabei haben wir individuelle Themen nicht außen vor gelassen und über die anstehende EEG Novelle ab 2027 sowie Erfahrungswerten zu Erträgen sowie den positiven Beitrag des Biodiversitätsstreifen von bestehenden Anlagen informiert.
Warum Agri-PV jetzt relevant ist
Die deutsche Landwirtschaft steht unter Druck. Steigende Produktionskosten, sinkende Erzeugerpreise, zunehmende Wetterextreme durch den Klimawandel und eine wachsende Regulierungslast machen langfristige Planung schwierig. Gleichzeitig braucht Deutschland dringend mehr Fläche für erneuerbare Energien: Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 eine installierte PV-Leistung von 215 Gigawatt zu erreichen – und die Zeit wird knapp. Es hat über 20 Jahre gedauert, die ersten 100 GW aufzubauen. Für die verbleibenden 115 GW bleiben noch knapp fünf Jahre.
Die Konsequenz: Fläche ist der knappe Faktor. Klassische Freiflächen-PV steht dabei zunehmend in der Kritik – Gemeinden und Bevölkerung sprechen sich immer häufiger dagegen aus, wertvolles Ackerland dauerhaft zu versiegeln. Agri-PV bietet hier einen Ausweg: Solarenergie und Landwirtschaft auf derselben Fläche.
Was ist Agri-PV – und was macht das Feldwerke-Konzept besonders?
Agri-PV bezeichnet den gleichzeitigen Betrieb von Landwirtschaft und Photovoltaik auf einer Fläche. Klingt einfach – doch nicht jede Umsetzung ist gleich.
Klassische Freiflächen-PV verdrängt die Landwirtschaft vollständig. GAP-Förderungen entfallen, die steuerliche Privilegierung der Fläche geht verloren, und das Einspeiseprofil ist einseitig auf die Mittagszeit ausgerichtet (ca. 1.100 kWh/kWp). Das Konzept von Feldwerke setzt auf einachsig nachgeführte Tracker-Systeme, die der Sonne folgen. Das Ergebnis:
- 90 % der Fläche bleibt landwirtschaftlich nutzbar
- 20–30 % mehr Volllaststunden gegenüber klassischer Freiflächen-PV (1.350–1.400 kWh/kWp in Süddeutschland)
- Ein gleichmäßiges Einspeiseprofil – auch morgens und abends
- Kein Zaun notwendig
- GAP-Förderung und steuerliche Privilegierung bleiben erhalten
Im Vergleich: Hochaufgeständerte Anlagen lassen sich nur mit Sonder- oder Dauerkulturen wirtschaftlich darstellen, vertikale Systeme erzeugen weniger Strom und sind windanfälliger. Das Tracker-System ist die praktikabelste und energetisch attraktivste Lösung für Acker- und Grünland.
Die Technologie im Detail
Die Anlage besteht aus einachsig nachgeführten Modulreihen mit einer Achshöhe zwischen 2,80 und 3,50 Metern und einem Neigungswinkel von bis zu 40° (maximal 70°). Zwischen den Reihen bleibt eine Bearbeitungsbreite von 9 bis 12 Metern – ausreichend für alle gängigen Landmaschinen. Unter jeder Modulreihe verläuft ein 1,5 Meter breiter Biodiversitätsstreifen, der dauerhaft extensiv bewirtschaftet wird und als Rückzugsraum für Bestäuber und Nützlinge dient.
Effektive Flächenaufteilung in den meisten Fällen:
- 90 % Landwirtschaft
- 8 % Biodiversitätsstreifen
- 2 % Aufständerung
Die Biodiversitätsstreifen sind kein Nice-to-have: Sie reduzieren Bodenerosion, fördern den Humusaufbau und ermöglichen – in vielen Projekten – den vollständigen Verzicht auf Ausgleichsflächen. Das beschleunigt Genehmigungsverfahren erheblich.
Zwei Projekttypen: Großflächig oder privilegiert
Feldwerke realisiert zwei unterschiedliche Projektformate:
Großflächige Agri-PV (ab ca. 10 ha)
Für Landwirte mit größeren Flächen ist die großflächige Agri-PV der richtige Weg. Sie erfordert ein Bauleitplanverfahren mit Beteiligung der Gemeinde, bietet aber entsprechend mehr Potenzial: 600–800 kWp pro Hektar, Realisierung in 12–24 Monaten, EEG-förderfähig und DINSPEC 91434 konform.
Das Referenzprojekt in Oberndorf am Lech zeigt, wie schnell das gehen kann: Von der Vertragsunterschrift im April 2024 bis zum Baubeginn im August 2025 vergingen nur 16 Monate – für ein 28-ha-Projekt mit einer Kapazität von 16,75 MWp. Dank Biodiversitätsstreifen waren keine Ausgleichsflächen nötig, das Feedback von Naturschutzbehörde, Landratsamt und Anwohnern war durchweg positiv.
Privilegierte & Hofnahe Agri-PV (unter 2,5 ha)
Für kleinere Betriebe gibt es einen besonders attraktiven Weg: die privilegierte Agri-PV nach § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB. Anlagen unter 2,5 ha können – bei räumlich-funktionalem Zusammenhang mit dem Hof und wenn es die erste Agri-PV-Anlage im Umkreis ist – ohne Bauleitplanverfahren genehmigt werden. Ein einfacher Bauantrag genügt.
Wichtige Eckpunkte:
- Die Grundfläche bemisst sich nach den äußersten Modulflanken (inkl. Korridore)
- Räumlicher Zusammenhang: innerhalb von 500 Metern zur Hofstelle unproblematisch, darüber hinaus Einzelfallprüfung
- Bei Volleinspeisung müssen die Voraussetzungen der DIN SPEC 91434 erfüllt sein
Die EEG-Förderung (feste Vergütung von 6,66 ct/kWh für das erste MW) gilt, solange innerhalb einer Gemeinde, im 2-km-Umkreis und innerhalb von zwei Jahren keine weitere EEG-geförderte Anlage ans Netz gegangen ist.
Vorteile gegenüber klassischer Freiflächen-PV: zwei Einnahmenquellen auf einer Fläche, schnellere Genehmigung (ca. 12 Monate Projektlaufzeit), GAP-Förderung bleibt erhalten, erbschaftssteuerliche Privilegierung bleibt bestehen.
Wirtschaftlichkeit: Was bringt das dem Landwirt?
Das Pachtmodell von Feldwerke bietet planbare Einnahmen über 30 Jahre:
- Eine Mindestpacht von rund 2.500 € pro Hektar und Jahr sichert nach unten ab
- Eine 5-prozentige Umsatzbeteiligung am Nettostromerlös schützt vor Strompreis-Inflation und beteiligt den Landwirt direkt am wirtschaftlichen Erfolg – inkl. Batteriespeicher
- Kein Aufwand, keine Kosten für den Flächeneigentümer während Bau und Betrieb
- Nach 30 Jahren: vollständiger Rückbau der Anlage
Zusätzlich profitieren Gemeinden: 90 % der Gewerbesteuer bleiben vor Ort (ca. 30.000 € bei einer 10-MW-Anlage), und 0,2 ct/kWh fließen als EEG-Abgabe in die Gemeindekasse.
Der Batteriespeicher: Das fehlende Puzzlestück
Mit zunehmendem Solarausbau steigt auch die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen. Netzbetreiber regeln häufiger ab, das Netz wird durch einseitige Einspeiseprofile belastet. Feldwerke integriert deshalb Grünstromspeicher in seine Agri-PV-Konzepte.
Dimensionierung: 80 % der Anlagenleistung als Speicherleistung, 160 % der Einspeiseleistung als Kapazität (ca. 5 MWh je 20-Fuß-Container). Der Speicher sorgt für ein netzdienliches Einspeiseverhalten, erschließt zusätzliche Einnahmen (z. B. Regelenergie) und stärkt langfristig die Wirtschaftlichkeit – und damit die Pacht.
Was sagt die EEG-Novelle 2027?
Der geleakte Entwurf zur EEG-Novelle 2027 bestätigt die Weichen für Agri-PV:
- Der PV-Ausbaupfad von 215 GW bis 2030 bleibt bestehen
- Die Ausschreibungsmenge für PV-Freifläche soll von 9.900 MW auf 14.000 MW pro Jahr steigen
- Tracker-Anlagen werden möglciherweise explizit als „besondere Solaranlagen" anerkannt (lichte Höhe über 2,1 m)
- Das Untersegment für besondere Solaranlagen und ein Bonus für kleine Agri-PV-Anlagen sind im Entwurf enthalten – zentrale Eckwerte stehen noch unter Vorbehalt
Der Trend ist eindeutig: Agri-PV wird als fester Bestandteil der deutschen Energiewende etabliert.
Agri-PV und Ernteerträge: Was sagt die Forschung?
Referenzprojekte zeigen, dass gerade trockenheitsempfindliche Pflanzen von der erhöhten Verschattung durch Agri-PV profitieren können:
- Fraunhofer ISE, Heggelbach am Bodensee (seit 2016): In trockenen Jahren durchschnittlich höhere Erträge als auf Referenzflächen – Sellerie +12 %, Winterweizen +3 %
- Doppelernte, Althegenenberg (seit 2019): Erhöhte Erträge vor allem bei trockenheitsempfindlichen Kulturen wie Winterweizen und Hafer in niederschlagsarmen Phasen
- TFZ Grub (seit 2023): Sommergerste-Ertrag unter PV-Tracker bis zu 10 % höher als auf der freien Fläche
Verschattung bei starker Sonnenstrahlung, erhöhte Bodenfeuchte durch verringerte Verdunstung und ein günstigeres Mikroklima – Agri-PV kann den Klimawandel-Stress für Pflanzen aktiv reduzieren.
Fazit: Agri-PV ist mehr als ein Kompromiss
Agri-PV ist mehr als ein Kompromiss zwischen Landwirtschaft und Energieerzeugung – es ist eine Aufwertung beider. Flächen bleiben produktiv, Landwirte erhalten langfristig planbare Zusatzeinnahmen, Gemeinden profitieren finanziell, und das Stromnetz bekommt ein verträglicheres Einspeiseprofil.
Das Feldwerke-Konzept macht das mit minimalem Flächenverlust und maximaler Energieausbeute möglich – für Acker und Grünland, im großen Maßstab wie hofnah.
Interesse an einer unverbindlichen Machbarkeitsanalyse für Ihre Fläche? Sprechen Sie uns an – wir prüfen kostenlos, ob Ihr Standort geeignet ist.
Nils Kuchenbuch ist Geschäftsführer von Feldwerke und Experte für Agri-PV. Feldwerke entwickelt und betreibt Agri-PV-Anlagen in Deutschland mit aktuell über 40 Projekten, 500 Hektar und 350 MW in Entwicklung.
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