Was ist ein Wechselrichter in der Agri-PV?
Ein Wechselrichter wandelt den von Solarmodulen erzeugten Gleichstrom (DC) in netzkonformen Wechselstrom (AC) um. Er ist das Herzstück jeder PV-Anlage und übernimmt zusätzlich Aufgaben wie Leistungsoptimierung, Netzüberwachung und Fernsteuerung. In der Agri-Photovoltaik kommen je nach Anlagengröße String-, Multistring- oder Zentralwechselrichter zum Einsatz – moderne Geräte erreichen Wirkungsgrade von über 98 %.
Inhaltsverzeichnis
Wechselrichter auf den Punkt gebracht
- Kernfunktion: Umwandlung von Gleichstrom (DC) der Module in netzkonformen Wechselstrom (AC)
- Wirkungsgrad: Moderne trafolose Geräte erreichen über 98 % Spitzen- und 96 bis 98 % europäischen Wirkungsgrad
- Zusatzfunktionen: MPP-Tracking, Netzüberwachung, Datenkommunikation, Fernsteuerung und Blindleistungsmanagement
- Pflicht nach Solarspitzengesetz: Anlagen ab 25 kWp benötigen seit Februar 2025 fernsteuerbare Wechselrichter und Smart-Meter-Anbindung
- Lebensdauer: Typischerweise 10 bis 15 Jahre – kürzer als die Modullebensdauer von 25+ Jahren
Was ist ein Wechselrichter?
Der Wechselrichter – auch Inverter oder Drehrichter genannt – ist das elektronische Bindeglied zwischen Solarmodulen und Stromnetz. Solarmodule erzeugen physikalisch bedingt nur Gleichstrom (DC, Direct Current), das öffentliche Stromnetz arbeitet aber mit Wechselstrom (AC, Alternating Current) bei einer Frequenz von 50 Hertz. Ohne Wechselrichter wäre der erzeugte Solarstrom weder ins Netz einspeisbar noch für Haushaltsgeräte oder landwirtschaftliche Maschinen nutzbar.
Das Funktionsprinzip ist im Kern einfach: Elektronisch gesteuerte Halbleiterschalter werden in extrem schneller Folge paarweise geöffnet und geschlossen. Dadurch wird der konstante Gleichstrom in eine sinusförmige Wechselspannung umgewandelt, die exakt zur Netzspannung passt. Tatsächlich übernimmt ein moderner Wechselrichter aber weit mehr Aufgaben als die reine Stromumwandlung – er ist das Gehirn jeder PV-Anlage und steuert Leistung, Sicherheit und Kommunikation.
Ohne Wechselrichter keine Einspeisung: Er ist die einzige Komponente, deren Ausfall die gesamte PV-Anlage zum Stillstand bringt – und damit das wirtschaftlich kritischste Bauteil der Anlage.
Welche Aufgaben übernimmt ein Wechselrichter?
DC/AC-Umwandlung
Die Hauptaufgabe ist die Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom mit der korrekten Spannung (in Deutschland 230 V einphasig oder 400 V dreiphasig) und Frequenz (50 Hz). Diese Umwandlung erfolgt mit hoher Präzision, damit der eingespeiste Strom den Anforderungen der VDE-AR-N 4105 entspricht.
MPP-Tracking
Das Maximum Power Point Tracking ist eine der wichtigsten Optimierungsfunktionen. Der MPP-Tracker sucht kontinuierlich den optimalen Betriebspunkt der Module – also die Kombination aus Spannung und Stromstärke, bei der die maximale Leistung erzielt wird. Dieser Punkt verschiebt sich permanent mit Sonneneinstrahlung, Modultemperatur und Verschattung. Moderne Wechselrichter mit mehreren MPP-Trackern können verschiedene Modulstränge unabhängig voneinander optimieren – ein klarer Vorteil bei Agri-PV-Anlagen mit komplexen Verschattungssituationen unter den Modultischen.
Netzüberwachung und Sicherheit
Der Wechselrichter überwacht permanent Spannung und Frequenz des öffentlichen Stromnetzes. Bei Anomalien – etwa bei einem Stromausfall – trennt er die Anlage automatisch vom Netz, um Personen und Material zu schützen. Diese sogenannte NA-Schutz-Funktion (Netz- und Anlagenschutz) ist gesetzlich vorgeschrieben.
Datenerfassung und Kommunikation
Moderne Wechselrichter dokumentieren Produktion, Erträge und Betriebsstörungen in Echtzeit. Über LAN, WLAN oder Mobilfunk werden die Daten an Monitoring-Plattformen übermittelt. Bei größeren Agri-PV-Anlagen ist diese kontinuierliche Überwachung Voraussetzung für eine effiziente Betriebsführung und schnelle Fehlererkennung.
Fernsteuerbarkeit
Seit Inkrafttreten des Solarspitzengesetzes am 25. Februar 2025 müssen Wechselrichter zudem fernsteuerbar sein. Netzbetreiber müssen die Möglichkeit haben, die Einspeiseleistung in Echtzeit zu reduzieren oder die Anlage abzuschalten, wenn die Netzstabilität es erfordert. Diese Anforderung ist eng verknüpft mit dem Redispatch 2.0-System und dem Abregelungsmanagement.
Welche Wechselrichter-Typen gibt es?
Stringwechselrichter
Bei Stringwechselrichtern werden mehrere Module in Reihe zu einem Strang (englisch: string) zusammengeschaltet und gemeinsam an einen Wechselrichter geführt. Stringwechselrichter sind die am weitesten verbreitete Bauform und bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei einheitlicher Modulausrichtung und ohne Verschattung erzielen sie hohe Wirkungsgrade. Nachteil: Verschattet ein Modul, sinkt die Leistung des gesamten Strangs.
Multistringwechselrichter
Multistringwechselrichter führen mehrere Stränge zusammen, verfügen aber über separate MPP-Tracker für jeden String. Damit können unterschiedlich ausgerichtete oder unterschiedlich verschattete Modulstränge unabhängig voneinander optimiert werden. Für Agri-PV-Anlagen mit komplexen Geometrien – etwa bei Nachführsystemen oder bei Kombination aus horizontalen und vertikalen Modulen – sind Multistringwechselrichter häufig die wirtschaftlichste Wahl.
Zentralwechselrichter
Zentralwechselrichter werden bei Großanlagen ab etwa 30 kWp installierter Leistung eingesetzt. Sie führen alle Stränge der Anlage in einem einzigen, leistungsstarken Gerät zusammen. Vorteile: hohe Wirkungsgrade, vereinfachte Wartung und niedrigere spezifische Kosten pro Kilowattstunde. Nachteil: Bei einer Störung steht die gesamte Anlage still. Für sehr große Freiflächen-PV- und Agri-PV-Projekte im Megawattbereich werden daher häufig mehrere Zentralwechselrichter parallel betrieben, um Ausfallrisiken zu reduzieren.
Modulwechselrichter (Mikrowechselrichter)
Bei Modulwechselrichtern erhält jedes Solarmodul einen eigenen kleinen Inverter. Damit lässt sich jedes Modul individuell optimieren – ideal bei stark verschatteten Anlagen oder unterschiedlichen Modulausrichtungen. In Agri-PV-Großprojekten kommen Modulwechselrichter aus Kostengründen kaum zum Einsatz; sie dominieren das Segment der Balkonkraftwerke und kleinen Dachanlagen.
Hybridwechselrichter
Hybridwechselrichter integrieren PV-Wechselrichter und Batteriewechselrichter in einem Gerät. Sie ermöglichen die direkte Anbindung eines Batteriespeichers ohne separate Speichertechnik und sind besonders bei Co-Location-Projekten aus PV und Speicher relevant. Im Heimspeicherbereich ist der Hybrid-Wechselrichter inzwischen Standard – 9 von 10 neuen PV-Anlagen mit Speicher werden damit ausgestattet.
Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Wechselrichters?
Der Wirkungsgrad gibt an, wie viel der eingespeisten Gleichstromenergie als Wechselstrom wieder ausgegeben wird. Der Rest geht als Verlustwärme verloren. Drei Kennzahlen sind in der Praxis relevant:
Spitzenwirkungsgrad
Der maximale Wirkungsgrad unter Idealbedingungen auf dem Prüfstand. Moderne trafolose Wechselrichter erreichen Spitzenwirkungsgrade von über 98 %, in Einzelfällen bis 99 %. Dieser Wert ist marketingtauglich, hat aber begrenzte Aussagekraft für den realen Betrieb.
Europäischer Wirkungsgrad
Praxisrelevanter ist der europäische Wirkungsgrad (auch CEC-Wirkungsgrad). Er gewichtet verschiedene Lastpunkte entsprechend mitteleuropäischen Wetterbedingungen und liegt bei modernen Wechselrichtern typischerweise zwischen 96 und 98 Prozent. Beim Vergleich verschiedener Geräte ist der europäische Wirkungsgrad das aussagekräftigste Kriterium.
Teillastverhalten
Wechselrichter arbeiten nicht durchgehend bei Volllast – im Gegenteil, einen Großteil des Jahres laufen sie in Teillast. Tests der HTW Berlin zeigen erhebliche Unterschiede bei sehr geringer Auslastung: Während der beste Hybridwechselrichter im Test einen Teillastwirkungsgrad von 92 Prozent erreichte, kam das schwächste Gerät auf nur 71 Prozent. Bei Agri-PV-Anlagen mit jährlich tausenden Niedriglaststunden – etwa in den Morgen- und Abendstunden – ist das Teillastverhalten wirtschaftlich sehr relevant.
Welche Anforderungen stellt das Solarspitzengesetz?
Das Solarspitzengesetz hat die Anforderungen an Wechselrichter im Februar 2025 deutlich verschärft. Drei Schwellenwerte sind dabei zentral:
Anlagen über 100 kWp
Hier galt schon vorher die verpflichtende Fernsteuerbarkeit. Wechselrichter müssen über zertifizierte Fernwirktechnik mit dem Netzbetreiber kommunizieren können. Zudem gilt die Pflicht zur Direktvermarktung, sodass Steuerung über den Direktvermarkter erfolgt.
Anlagen 25 bis 100 kWp
Seit dem 25. Februar 2025 müssen auch Wechselrichter in dieser Leistungsklasse fernsteuerbar sein, sofern eine EEG-Vergütung beansprucht wird. Wird diese Anforderung nicht erfüllt, gilt eine pauschale Einspeisebegrenzung auf 60 % der installierten Leistung. Da die meisten Agri-PV-Projekte deutlich oberhalb dieser Schwelle liegen, betrifft die Vorgabe praktisch jede neue Anlage.
Anlagen 7 bis 25 kWp
Auch hier gilt seit Februar 2025 die Pflicht zum intelligenten Messsystem (Smart Meter) mit Steuerbox. Ohne Smart Meter wird die Einspeisung temporär auf 60 % gedrosselt. Die Wahl eines iMSys-kompatiblen Wechselrichters ist daher Pflicht.
Wer heute einen Wechselrichter auswählt, kauft nicht nur Technik, sondern Konformität: Smart-Meter-Kompatibilität, Fernwirkschnittstelle und Firmware-Updates entscheiden über die volle Vergütungsfähigkeit der Anlage.
Welche Hersteller dominieren den Markt?
Der Wechselrichtermarkt ist global stark konsolidiert. In Deutschland und Europa haben sich folgende Hersteller etabliert:
- SMA Solar Technology – deutscher Marktführer, breite Produktpalette von Heimspeicher bis Großanlagen-Zentralwechselrichter
- Huawei – globaler Marktführer mit hohen Anteilen im Großanlagensegment
- Fronius – österreichischer Premiumhersteller mit Fokus auf langlebige String- und Hybridgeräte
- Kostal – deutscher Hersteller mit starker Position im gewerblichen Mittelsegment
- Sungrow – chinesischer Anbieter mit hohem Marktanteil im Megawatt-Segment
- RCT Power, GoodWe, Solis und Fox ESS – weitere relevante Anbieter, je nach Anwendungsfall
Bei Agri-PV-Großprojekten dominieren Geräte von SMA, Sungrow, Huawei und Kostal. Wichtig sind neben dem reinen Wirkungsgrad vor allem Garantielaufzeiten, Service-Verfügbarkeit, Firmware-Updates und Kompatibilität mit Energiemanagementsystemen.
Was kosten Wechselrichter 2026?
Die Preise für Wechselrichter sind seit Herbst 2024 weitgehend stabil. Die wichtigsten Bandbreiten:
- Stringwechselrichter 3 bis 7 kW: 300 bis 700 Euro
- Stringwechselrichter 8 bis 12 kW: 800 bis 2.000 Euro
- Hybrid-Wechselrichter mit Speicheranbindung: ab etwa 1.100 Euro für hochwertige Geräte mit 15 kWp PV-Leistung
- Modulwechselrichter: 70 bis 180 Euro pro Stück, je nach Leistung
- Großanlagen-Zentralwechselrichter: deutlich projektspezifisch, häufig im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Megawatt
Bei Großanlagen wird der Wechselrichter typischerweise zusammen mit dem Trafo, Schaltanlagen und Kommunikationstechnik in einem Compact-Station-Konzept geliefert. Die spezifischen Kosten pro installiertem Watt sind dabei deutlich niedriger als bei kleinen String-Anlagen.
Wo wird der Wechselrichter installiert?
Der Aufstellort hat erheblichen Einfluss auf Lebensdauer und Wirkungsgrad. Folgende Aspekte sind zu beachten:
Temperatur
Wechselrichter mögen es kühl, trocken und gut belüftet. Direkte Sonneneinstrahlung und Wärmestau verkürzen die Lebensdauer und reduzieren die Leistung. Bei Heimanlagen sind Keller, Technikraum oder Garage ideal.
Nähe zu den Modulen
Verluste durch Kabelstrecken sind auf der Wechselstromseite (AC) deutlich höher als auf der Gleichstromseite (DC). Daher gilt: Wechselrichter möglichst nah an den Modulen, möglichst weit weg vom Einspeisepunkt – das ist bei Großanlagen häufig kontraintuitiv und erfordert sorgfältige Planung der Kabelwege.
Kommunikationsanbindung
Der Aufstellort muss eine zuverlässige Datenverbindung ermöglichen – ob über LAN, Glasfaser oder Mobilfunk. Bei größeren Agri-PV-Anlagen werden Wechselrichter und Trafo häufig in geschützten Containern flächennah zur Anlage aufgestellt – mit eigener Klimatisierung und redundanter Datenverbindung.
Lebensdauer und Wartung
Wechselrichter sind im Vergleich zu Solarmodulen deutlich kürzer haltbar. Während Module typischerweise 25 bis 30 Jahre Leistung garantieren, liegt die Lebensdauer eines Wechselrichters meist bei 10 bis 15 Jahren. Über die Vertragslaufzeit einer Agri-PV-Anlage von rund 30 Jahren muss daher mit einem bis zwei Wechselrichter-Tauschvorgängen kalkuliert werden.
In den langfristigen Wirtschaftlichkeitsmodellen wird dies in den OPEX abgebildet. Hochwertige Wechselrichter mit erweiterten Garantieleistungen (10 bis 25 Jahre) sind oft die günstigere Wahl, da Tauschkosten und Ertragsausfälle bei einem Defekt erheblich ins Gewicht fallen können.
Verbindung zu anderen Wirkfeldern
Der Wechselrichter wirkt nicht isoliert, sondern verbindet zentrale technische und wirtschaftliche Aspekte einer Agri-PV-Anlage:
- Mit dem Netzverknüpfungspunkt: Der Wechselrichter steuert die Einspeiseleistung am NVP und sorgt für netzkonformes Verhalten
- Mit dem Batteriespeicher: Hybridwechselrichter ermöglichen direkte Speicheranbindung in Co-Location-Projekten
- Mit Tracker-Systemen: Multistring-Wechselrichter mit unabhängigen MPP-Trackern optimieren das gleichmäßigere Einspeiseprofil nachgeführter Anlagen
- Mit dem Solarspitzengesetz: Fernwirktechnik und Smart-Meter-Kompatibilität sind Voraussetzung für die volle EEG-Vergütung
- Mit der Direktvermarktung: Der Wechselrichter setzt Vermarktungssignale in Echtzeit um und reagiert auf Preissignale
Wer eine Agri-PV-Anlage plant, sollte den Wechselrichter nicht als bloße Komponente verstehen, sondern als strategische Schnittstelle zwischen Modul, Speicher, Netz und Markt. Mit der richtigen Wahl von Topologie, Wirkungsgrad und Kommunikationsstandards bleibt die Anlage über Jahrzehnte konform mit gesetzlichen Anforderungen – und maximiert gleichzeitig die wirtschaftliche Performance.
Häufig gestellte Fragen
Grundsätzlich eignen sich die meisten Flächen, auf denen Landwirtschaft betrieben wird. Problematisch sind Flächen in bestimmten Naturschutzgebieten, wie bspw. Vogelschutzgebiet oder Flora-Fauna-Habitat. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Agri-PV Anlage ist je nach Standort, Flächenstruktur und Netzinfrastruktur oft aber erst ab einer bestimmten Flächengröße möglich: Jede landwirtschaftliche Fläche bis 2,5ha in Hofnähe sowie Grünland ab 5 ha und Acker ab 10ha.
Generell kann die Fläche bei Agri-PV sowohl als Dauergrünland als auch für Ackerbau oder den Anbau von Dauerkulturen genutzt werden. Bei bodennahen nachgeführten Agri-PV-Systemen ist der Anbau von hochwachsenden Pflanzen ab einer Wuchshöhe von 1,50m (z.B. Mais, Sonnenblumen) problematisch, da diese die Module verschatten und somit den Stromertrag reduzieren können.
Grundsätzlich kann Agri-PV auch mit Nutztierhaltung kombiniert werden. Hier bieten sich insbesondere hoch aufgeständerte Solaranlagen sowie nachgeführten Tracker Systemen Module an. Die Anlage und die Nutztierhaltung muss in einem landwirtschaftlichen Gesamtkonzept umgesetzt werden, aus dem ersichtlich ist, dass die Nutztiere von der Anlage profitieren.
Die Breite des Bewirtschaftungsstreifens bei Agri-PV-Anlagen liegt typischerweise zwischen 9 und 12 Metern, abhängig von der Bewirtschaftungsform. Unter den Modulen wird ein 1–2 Meter breiter Biodiversitätsstreifen angelegt, der zur ökologischen Aufwertung dient und als Pufferzone rechts und links zur Modulaufständerung fungiert. Mindestens 9 Meter Arbeitsbreite sind notwendig, um Verschattungen zwischen den Modulreihen zu vermeiden und sicherzustellen, dass gemäß DIN SPEC 91434 auf Ackerflächen mindestens 85 % und auf Grünland mehr als 90 % der Fläche bewirtschaftet werden können. Der Reihenabstand wird so gewählt, dass er sowohl die statischen Anforderungen (z.B.: Windlasten) als auch eine ausreichende Energieerzeugung und eine effiziente landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht.
Selbstverständlich bringt der Aufbau einer Agri-PV-Anlage gewisse Einschränkungen für die Bearbeitung des Feldes mit sich. Diese sind jedoch aufgrund der individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmten Reihenabstände (i.d.R. 11-14 m; auch größer möglich), die an die Größe der Maschinen angepasst werden können, überschaubar. Zudem bleibt das Vorgewende erhalten mit einer Breite, die individuell mit Ihnen abgestimmt wird.
Nach derzeitigen Erkenntnissen (v.a. Studien des Frauenhofer ISE und Technologieförderzentrum Bayern) gibt es – je nach Reihenabstand, Feldfrucht und konkreten Wetterbedingungen – z.T. leicht positiven, z.T. leicht negative Auswirkungen auf Menge und Qualität des Ertrags. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Vorgaben, die für die gesetzliche Förderung nach dem EEG erfüllt sein müssen (Erzielen von 66 % des landwirtschaftlichen Referenzertrags, s. DIN SPEC 91434), in allen Versuchen unproblematisch erreicht wurden.
Agri-PV-Anlagen tragen wesentlich zur ökologischen Aufwertung landwirtschaftlicher Flächen bei. Sie bieten Schutz vor Winderosion, indem die Solarmodule als Barriere wirken und den Boden stabilisieren. Zudem schützen sie vor Extremwetterphänomenen wie Hagel und Starkregen, wodurch Schäden an Erntepflanzen minimiert werden. Die teilweise Beschattung der Pflanzen verhindert Austrocknung, erhöht die Bodenfeuchtigkeit und kann in heißen Sommern zu gesteigerten Erträgen führen. Darüber hinaus erhalten Agri-PV-Anlagen der Fläche eine „Pause“ von intensiver Landwirtschaft, was die Bodengesundheit fördert und die Biodiversität unterstützt.
Grundsätzlich lässt sich das sehr klar unterscheiden – je nachdem, ob es sich um eine kleinere privilegierte Agri-PV-Anlage bis ca. 2,5 ha oder um eine großskalige Agri-PV-Anlage handelt:
Kleinere Anlagen bis ca. 2,5 ha (privilegiert nach § 35 Abs. 9 Nr. 1 BauGB):
Diese Anlagen sind planungsrechtlich privilegiert und benötigen daher kein Bauleitplanverfahren gemeinsam mit der Gemeinde. In der Regel reicht ein Bauantrag beim zuständigen Landratsamt.
Wenn die Kriterien Hofnähe, direkt-räumlich funktionaler Zusammenhang zur Hofstelle sowie eine Anlage pro Hofstelle erfüllt sind, ist eine Genehmigung innerhalb von ca. 4 Monaten grundsätzlich möglich.
Große Agri-PV-Anlagen:
Bei größeren Projekten ist der Prozess in der Regel umfangreicher und umfasst häufig ein Bauleitplanverfahren (Flächennutzungsplan/Bebauungsplan) inklusive der dazugehörigen Gutachten und Beteiligungen (z. B. Umweltprüfung, Artenschutz, Fachbehörden, Öffentlichkeit).
Wir übernehmen die Koordination der gesamten Schritte, binden Behörden und Fachgutachter ein und sorgen für eine saubere, prüffähige Dokumentation. Die Dauer variiert entsprechend – von mehreren Monaten (bei kleineren Anlagen, je nach Rahmenbedingungen) bis länger bei großskaligen Projekten. Parallel läuft meist die Klärung der Netzanbindung, die den Zeitplan wesentlich beeinflussen kann.
Artenschutz und Biodiversität sind fester Bestandteil unserer Projektentwicklung. Wir prüfen frühzeitig, welche Schutzgüter betroffen sein können (z. B. Brutvögel, Feldhamster, Fledermäuse oder Biotope) und stimmen die Vorgehensweise mit den zuständigen Behörden und Gutachtern ab. Wenn nötig, werden Kartierungen über geeignete Zeiträume durchgeführt und konkrete Maßnahmen eingeplant – etwa Schutz- und Rückzugsräume, angepasste Pflegekonzepte oder Bauzeitenregelungen. Ziel ist eine Lösung, die Landwirtschaft und Natur gleichermaßen berücksichtigt.
Nein — Agri-PV ist darauf ausgelegt, die landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten und die Fläche jederzeit in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. In der Regel werden keine Fundamente gegossen: Die Unterkonstruktion wird gerammt, sodass keine dauerhafte Bodenversiegelung entsteht, sondern nur temporäre und sehr punktuelle Eingriffe (typischerweise < 1 % der Fläche).Die Fläche bleibt weiterhin bewirtschaftbar, und durch angepasste Pflege- und Nutzungskonzepte können je nach Standort sogar positive Effekte entstehen – etwa Bodenschutz, Mikroklima-Vorteile und mehr Biodiversität. Außerdem ist die Anlage grundsätzlich vollständig rückbaubar; das ist vertraglich geregelt.
Die typische Lebensdauer eines Wechselrichters liegt bei 10 bis 15 Jahren – deutlich kürzer als die Modullebensdauer von 25 bis 30 Jahren. Bei einer Vertragslaufzeit von 30 Jahren muss mit ein bis zwei Tauschvorgängen kalkuliert werden. Hochwertige Geräte mit erweiterter Garantie (bis 25 Jahre) sind oft die wirtschaftlichere Wahl.
Seit dem 25. Februar 2025 müssen Wechselrichter ab 25 kWp fernsteuerbar sein, ab 100 kWp gilt die Pflicht zur Direktvermarktung. Wichtig sind iMSys-Kompatibilität (intelligentes Messsystem), zertifizierte Fernwirkschnittstellen und regelmäßige Firmware-Updates. Ohne diese Anforderungen droht eine pauschale Einspeisebegrenzung auf 60 % der installierten Leistung.
Der Spitzenwirkungsgrad wird unter Idealbedingungen auf dem Prüfstand gemessen und ist meist Marketinggröße. Der europäische Wirkungsgrad gewichtet verschiedene Lastpunkte entsprechend mitteleuropäischen Wetterbedingungen und ist daher praxisrelevanter. Moderne Geräte erreichen dort 96 bis 98 % – beim Gerätevergleich ist dieser Wert das aussagekräftigste Kriterium.
Bei nachgeführten Agri-PV-Systemen sind Multistring-Wechselrichter mit mehreren unabhängigen MPP-Trackern ideal, weil sich die Lichtverhältnisse zwischen den Modulreihen unterscheiden können. Bei Großprojekten kommen häufig Zentralwechselrichter im Megawattbereich zum Einsatz – ergänzt durch leistungsfähige Energiemanagementsysteme zur Steuerung des gesamten Parks.
Bei einem Defekt steht der betroffene Strang oder bei Zentralwechselrichtern die gesamte Anlage still – jede Stunde Ausfallzeit bedeutet Ertragsverlust. Seriöse Hersteller bieten Service-Levels mit garantierten Reaktionszeiten und Ersatzgeräten. In Großanlagen werden daher häufig mehrere Wechselrichter parallel betrieben, um Ausfallrisiken zu reduzieren. Eine kontinuierliche Fernüberwachung ermöglicht schnelle Fehlererkennung und minimiert Ausfallzeiten.
Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen deutlich mehr Strom ("Volllaststunden") als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen. Je nach Standort können problemlos 1.400 kWh/kW im Jahr erzeugt werden.
Durch die der Sonne folgenden Tracker produzieren Agri-PV Anlagen vermehrt Strom in den Morgen- und Abendstunden. In diesen Zeiten ist der Strombedarf bereits hoch, da die Industrie schon/noch Strom benötigt, während das Stromangebot durch die vor allem nach Süden ausgerichteten Freiflächen- und Dachanlagen noch gering ist. Agri-PV Anlagen können dann stark von den hohen Strompreisen profitieren.
Unter dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) bekommen Agri-PV Anlagen wegen ihrem netzdienlichem und sozialverträglichem Konzept eine höhere Vergütung als konventionelle Freiflächen-PV Anlagen.
Die Pachtverträge für unsere Anlagen laufen mind. 30 Jahre, wobei hier die letzten 10 Jahre durch die in der Regel dann zurückgeführte Finanzierung am ertragreichsten sind. Nach Ablauf der 30 Jahre müssen mit den Flächeneigentümern neue Pachtverträge abgeschlossen werden, damit die Anlage weiter Strom produzieren kann.
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