Ein Bürgermeister berichtet: Agri-PV als Chance für Kommunen und Landwirte
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Ein Bürgermeister berichtet: Agri-PV als Chance für Kommunen und Landwirte
Oberndorf am Lech ist eine kleine Gemeinde im Landkreis Donau-Ries mit rund 2.700 Einwohnern – und heute Standort der größten Agri-PV-Anlage Süddeutschlands. Bürgermeister Franz Moll hat in einem Webinar Einblick gegeben, wie es dazu kam: von der ersten Idee bis zur einstimmigen Entscheidung, vom größten Rückschlag im Verfahren bis zur Inbetriebnahme. Im Folgenden die wichtigsten Stationen dieses Weges – aus kommunaler Perspektive.
Die Ausgangslage: knappe Kassen, kaum Alternativen
Wie viele kleinere Gemeinden stand Oberndorf am Lech vor einer wenig komfortablen Ausgangslage: rückläufige Gewerbesteuereinnahmen, kaum eigene Hebel für neue Einnahmen und gleichzeitig hoher Investitionsbedarf – eine Kläranlage für 5,8 Millionen Euro, ein Kindergarten für 3,6 Millionen Euro, dazu ein Eigenanteil von 300.000 Euro für den Glasfaserausbau. Bei der Wahl der Energiewende-Option blieb wenig Spielraum: Windkraft war nicht wirtschaftlich, Biogas keine realisierbare Option. Freiflächen-Photovoltaik war damit praktisch die einzige tragfähige Möglichkeit – wenn auch mit einem bekannten Makel: Sie entzieht der Landwirtschaft dauerhaft die Fläche.
Die Fragen, die sich am Anfang stellten
Bevor aus Interesse ein Beschluss werden konnte, mussten einige Fragen geklärt werden, die sich vermutlich jede Kommune in einer ähnlichen Lage stellt: Passt eine Agri-PV-Anlage überhaupt zur Gemeinde? Ist sie tatsächlich im Vorteil gegenüber klassischer Freiflächen-PV? Wie reagiert der Gemeinderat, wie die Bevölkerung, und lässt sich dem Projektentwickler vertrauen? Ausschlaggebend für eine positive Einschätzung war am Ende die Kombination mehrerer Faktoren statt eines einzelnen Arguments: die Doppelnutzung der Fläche, ein Standort ohne Sichtbezug zur Wohnbebauung und Module, die durch die Ost-West-Nachführung auch morgens und abends Strom liefern – nicht nur zur Mittagsspitze wie bei klassischen Anlagen.
Vom ersten Kontakt zur einstimmigen Entscheidung
Entscheidend für den weiteren Verlauf war, wie schnell aus anfänglicher Zurückhaltung Zustimmung wurde. Schon nach der ersten Vorstellung im Gemeinderat zeichnete sich eine klare Richtung ab, kritische Rückfragen ließen sich in öffentlichen Sitzungen sachlich klären, und eine organisierte Bürgerinitiative gegen das Vorhaben bildete sich zu keinem Zeitpunkt. Am Ende stand ein einstimmiger Beschluss mit 11:0 Stimmen für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan.
Ein Rückschlag kurz vor dem Ziel
Nicht alles verlief reibungslos. Ursprünglich war geplant, einen ortsansässigen Hersteller von Metallteilen direkt mit Strom aus der Anlage zu versorgen – trotz unmittelbarer Nähe scheiterte dieser Direktliefervertrag jedoch an regulatorischen Hürden, die die Wirtschaftlichkeit für beide Seiten zunichtemachten. Im Gemeinderat war man zu diesem Zeitpunkt bereits davon ausgegangen, dass die Lieferung zustande kommt. Der Rückschlag wurde offen im Gremium kommuniziert, über kurze Wege zwischen Gemeinde und Projektentwickler schnell eingeordnet – und das Projekt lief ohne größere Verzögerung weiter.
Der Zeitplan: zwölf Monate von der Unterschrift bis zum Bau
Auffällig an diesem Projekt ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der es durch die einzelnen Verfahrensschritte ging:
- April 2024: Vertragsunterschrift aller Flächeneigentümer
- Juni 2024: Aufstellungsbeschluss (einstimmig, 11:0 Stimmen)
- September 2024: Auslegungsbeschluss und Netzzusage
- November 2024: Satzungsbeschluss – entspricht der Baugenehmigung
- Januar 2025: Bekanntmachung des EEG-Ausschreibungsergebnisses
- August 2025: Baubeginn
- Januar 2026: Betriebsstart
Von der Vertragsunterschrift bis zur Baugenehmigung vergingen damit nur rund sieben Monate, von der Genehmigung bis zum laufenden Betrieb ein weiteres Jahr. Möglich wurde dieses Tempo unter anderem, weil das Bauleitplanverfahren und die notwendige Artenkartierung von Anfang an parallel vorbereitet wurden und die zuständigen Behörden – von der unteren Naturschutzbehörde bis zum Landratsamt – frühzeitig eingebunden waren. Zusätzliche Ausgleichsflächen waren dank des Biodiversitätsstreifens unter den Modulen nicht notwendig.
Was am Ende auf der Fläche steht
Auf 28 Hektar produziert die Anlage heute mit rund 17 Megawatt Leistung Strom für etwa 10.000 Haushalte – bei einer Fläche, die weiterhin zu 90 % landwirtschaftlich genutzt wird, sowohl von einem biologischen als auch einem konventionellen Betrieb. Die nachgeführten Module richten sich tagsüber von Ost nach West nach der Sonne aus und liefern dadurch auch am frühen Morgen und späten Abend noch nennenswerte Strommengen – ein Effekt, der sich inzwischen an echten Einspeisedaten ablesen lässt.
Was das Projekt der Gemeinde gebracht hat
Für den Gemeindehaushalt bedeutet das Projekt über die EEG-Beteiligung von 0,2 ct/kWh zuzüglich Gewerbesteuer einen Zufluss von etwa 400.000 Euro über zehn Jahre – rund 30.000 bis 40.000 Euro pro Jahr. Darüber hinaus hat die Anlage der Gemeinde deutlich mehr Aufmerksamkeit gebracht, als ursprünglich erwartet: Anfragen von Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet, Anlagenbesichtigungen durch Landwirtschaftsschulen und politische Delegationen sowie eine Auszeichnung durch das Bayerische Wirtschaftsministerium als Teil des „Team Energiewende Bayern". Das Projekt hat inzwischen auch einen Platz im Goldenen Buch der Gemeinde gefunden.
Was andere Kommunen daraus mitnehmen können
Aus der Rückschau lassen sich einige Empfehlungen ableiten, die sich auf ähnliche Vorhaben in anderen Gemeinden übertragen lassen: früh und positiv in das Thema einsteigen, auf gegenseitiges Vertrauen und offene Kommunikation setzen, Entscheidungen nicht endlos aufschieben, kurze und unbürokratische Wege zwischen allen Beteiligten pflegen – und vor allem auf einen erfahrenen Partner setzen, der das Verfahren kennt, mit lokalen Planern zusammenarbeitet und auch dann handlungsfähig bleibt, wenn wie beim gescheiterten Direktliefervertrag nicht alles nach Plan läuft. Genau diese Erfahrung und die eingespielte Zusammenarbeit mit Behörden, Gutachtern und Netzbetreibern sind es, die ein Projekt dieser Größenordnung innerhalb eines Jahres von der Idee zum Betrieb bringen können – Zeit und Aufwand, die eine Kommune mit einem eingespielten Partner an ihrer Seite sich nicht selbst erarbeiten muss.
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