Nach der Dürreernte 2026: Wie Sie Ihren Betrieb mit Agri-PV zukunftssicher aufstellen

Nach der Dürreernte 2026: Wie Sie Ihren Betrieb mit Agri-PV zukunftssicher aufstellen
Der Sommer 2026 hat vielen Betrieben in Süddeutschland erneut vor Augen geführt, wie stark das Betriebsergebnis vom Wetter abhängt. In unserem Webinar „Nach der Dürreernte 2026 – Wie Sie Ihren Betrieb mit Agri-PV zukunftssicher aufstellen“ hat Marco Mielenz, Geschäftsführer von Feldwerke, eingeordnet, was die Extremjahre für die Betriebsplanung bedeuten – und wie Agri-PV ein zweites, wetterunabhängiges Standbein schaffen kann, ohne dass die Landwirtschaft dafür weichen muss. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen, mit Schwerpunkt auf Trockenheit, Ertragssicherheit und den Erfahrungswerten aus bestehenden Anlagen.
Erntebilanz 2026: Wenn das Wetter über das Jahresergebnis entscheidet
Die Schlagzeilen des Sommers sprechen eine deutliche Sprache: Der Bauernverband befürchtete wegen der Trockenheit teils totale Ernteausfälle, europaweit wurde der Schaden durch die Hitzewelle auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt. Die Erntebilanz 2026 zeigt das Ausmaß:
- Getreide: rund 9 % weniger Ertrag
- Winterraps: rund 20 % weniger Ertrag
- Zuckerrüben: erwartete Einbußen von rund 30 %
- Regional: bis hin zu Totalausfällen, insbesondere im Süden Deutschlands
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, fasste die Lage bei der Erntebilanz so zusammen: „Die ökonomische Situation der Landwirtschaft ist brutal angespannt.“
Kein Einzelfall: fünf Extremjahre in neun Ernten
2026 reiht sich in eine Serie ein. 2018 und 2019 waren Dürrejahre, 2024 brachte andere Wetterextreme, 2025 anhaltende Trockenheit und 2026 nun einen Rekord-Dürresommer. Fünf Extremjahre in neun Ernten – Extremjahre sind damit nicht mehr die Ausnahme, sondern zur Regel geworden. Für die Betriebsplanung heißt das: Mit einem „normalen“ Jahr als Basis zu kalkulieren, wird zunehmend riskant.
Das eigentliche Problem: ein Betriebsergebnis, das nur auf dem Feld entsteht
Im Webinar wurde deutlich, warum Dürrejahre so tief in die Betriebe hineinwirken. Heute entsteht das Betriebsergebnis in den meisten Fällen ausschließlich auf dem Feld – und damit gelten drei Zusammenhänge:
- Der Ertrag folgt dem Wetter: Dürre, Hitze und Starkregen entscheiden über das Jahresergebnis.
- Die Kostenschere bleibt offen: Hohe Betriebsmittelkosten treffen auf niedrige Erzeugerpreise.
- Es gibt keinen Ausgleich im Dürrejahr: Fällt die Ernte aus, fehlt die Liquidität für die Folgesaison – für Saatgut, Betriebsmittel und Investitionen in Maschinen.
Hinzu kommen wachsende Auflagen und Bürokratie, die Zeit von der eigentlichen landwirtschaftlichen Arbeit abziehen. Die Frage ist also weniger, ob das nächste Extremjahr kommt, sondern wie gut der Betrieb darauf vorbereitet ist.
Agri-PV als zweites, wetterunabhängiges Standbein
Hier setzt Agri-PV an: Land- und Energiewirtschaft finden auf derselben Fläche statt. Die Landwirtschaft bleibt Hauptnutzung – und der Betrieb gewinnt eine Einnahmequelle, die nicht vom Erntejahr abhängt.
- Feste Pacht statt Wetterrisiko: Bis zu 3.000 € je Hektar und Jahr, vertraglich gesichert und unabhängig davon, wie die Ernte ausfällt.
- Bewirtschaftung bleibt bestehen: Bis zu 90 % der Fläche bleiben in landwirtschaftlicher Nutzung, die GAP-Förderfähigkeit bleibt im Umfang der weiter bewirtschafteten Fläche erhalten.
- Privilegierung bleibt erhalten: Die Fläche bleibt im landwirtschaftlichen Betriebsvermögen – damit bleibt auch die erbschaftsteuerliche Privilegierung bei einer Hofübergabe bestehen.
- Schutz für die Feldfrucht: Die zusätzliche Verschattung senkt Verdunstung und Hitzestress und schützt vor Winderosion und Austrocknung.
Ein Grundsatz, den Marco Mielenz im Webinar betont hat: Agri-PV soll den landwirtschaftlichen Betrieb nicht ersetzen, sondern absichern. Die Anlage muss sich in den Betrieb integrieren – nicht umgekehrt. Ob das auf einer Fläche passt, gehört deshalb am Anfang jeder Prüfung auf den Tisch.
Schutz in trockenen Jahren: Was die Forschung zur Verschattung zeigt
Viele Landwirtinnen und Landwirte gehen aus Erfahrung davon aus, dass zusätzlicher Schatten den Ertrag mindert. Gerade für trockene Jahre zeigen Forschungs- und Referenzanlagen jedoch ein anderes Bild. Drei Effekte wirken zusammen: Verschattung bei starker Sonneneinstrahlung, eine günstigere Lufttemperatur sowie eine höhere Bodenfeuchte bei geringerem Wasserbedarf.
- Fraunhofer ISE „RESOLA“, Heggelbach am Bodensee (seit 2016): Im Hitzejahr 2018 lagen die Erträge im Schnitt über denen der Referenzfläche – etwa Sellerie +12 % und Winterweizen +3 %.
- Doppelernte Althegnenberg (seit 2019): Erhöhte Erträge vor allem bei trockenheitsempfindlichen Kulturen wie Winterweizen und Hafer in niederschlagsarmen Phasen.
- TFZ Grub (seit 2023): Der Sommergerste-Ertrag unter PV-Trackern lag bis zu 10 % höher als auf der freien Fläche – unter hoch aufgeständerten Modulen dagegen bis zu einem Drittel niedriger.
Bestätigt wird das durch eine neue Feldstudie der Universität Hohenheim und des Forschungszentrums Jülich aus den Jahren 2023 und 2024. An fünf Standorten wurden Gerste, Ackerbohnen, Kartoffeln, Kohl und Mais unter Agri-PV- und Agroforst-Systemen untersucht. Die Ergebnisse:
- Die Pflanzen passen sich an: Sie benötigen weniger CO₂ und gleichzeitig weniger Licht, um Früchte zu bilden.
- Die Photosyntheseleistung bleibt stabil: Unter den PV-Modulen blieb sie konstant, während sie unter Agroforst schwankte.
- Weniger Hitzestress: Durch die Verschattung trocknet der Boden weniger stark aus, und die Temperaturen steigen weniger an.
Jennifer Moore vom Fachgebiet Pflanzenökologie der Universität Hohenheim bringt es auf den Punkt: „Kulturpflanzen können sich an eine moderate Teilbeschattung gut anpassen.“
Warum das Anlagenkonzept für den Ertrag entscheidend ist
Der Vergleich aus Grub zeigt: Agri-PV ist nicht gleich Agri-PV. Ob die Verschattung dem Bestand hilft oder schadet, hängt davon ab, wie viel Schatten wie lange auf denselben Punkt fällt. Feldwerke setzt deshalb auf nachgeführte Systeme (Tracker): Die Module folgen im Tagesverlauf der Sonne von Ost nach West, der Schatten wandert mit und liegt nie dauerhaft auf derselben Stelle. Das Ergebnis ist eine moderate, variable Teilbeschattung – genau das, was die Studien als verträglich bis vorteilhaft beschreiben.
Für die Bewirtschaftung bedeutet das konkret:
- Bearbeitungsbreite von 9 bis 12 Metern zwischen den Modulreihen, abgestimmt auf die vorhandene Technik
- Achshöhe von 2,80 bis 3,50 Metern, Module per Fernbedienung aus dem Arbeitsbereich schwenkbar
- Biodiversitätsstreifen von rund 1,5 Metern unter den Modulen als Puffer zur Aufständerung, Ausgleichsfläche und ökologische Aufwertung
- Effektive Flächennutzung: rund 2 % Aufständerung, 8 % Biodiversitätsstreifen, 90 % Landwirtschaft
Erste Erfahrungswerte aus Oberndorf am Lech
Mit Oberndorf am Lech im Landkreis Donau-Ries betreibt Feldwerke die größte Agri-PV-Anlage Süddeutschlands ihrer Art: rund 17 MW auf 28 Hektar, Strom für etwa 10.000 Haushalte, bewirtschaftet von einem biologischen und einem konventionellen Betrieb. Die Anlage ist seit Januar 2026 in Betrieb – und hat in diesem Dürrejahr ihre erste Ernte eingefahren. Die Bewirtschaftung zwischen den Modulreihen ließ sich gut durchführen, und die Erträge fielen erwartungsgemäß gut aus. Die detaillierte Auswertung für den ökologischen und den konventionellen Teil läuft derzeit; die Ergebnisse werden wir teilen, sobald sie vorliegen.
Auch auf der Energieseite liegen inzwischen echte Betriebsdaten vor. An einem typischen sonnigen Maitag speiste die Anlage bereits ab etwa 6 Uhr ein und lieferte bis rund 21 Uhr Strom – also gerade in den wertvollen Morgen- und Abendstunden, in denen klassische Freiflächen-PV kaum produziert. Die 20 bis 30 % mehr Volllaststunden gegenüber klassischer Freiflächen-PV haben sich in der Praxis bestätigt. Um die Mittagszeit kommt es an sonnigen Tagen zu netzbedingten Abregelungen, bis Mai insgesamt rund 22 % der Erzeugung. Diese Mengen lassen sich künftig über einen Batteriespeicher aufnehmen und in die Abendstunden verschieben – weshalb Feldwerke Agri-PV grundsätzlich zusammen mit einem Speicher plant.
Zwei Wege zum zweiten Standbein
Je nach Fläche und Betrieb gibt es zwei Umsetzungswege:
- Großflächige Agri-PV (ab ca. 10 Hektar): mit Bauleitplanverfahren und Beteiligung der Gemeinde, in der Regel 12 bis 24 Monate bis zur Genehmigung. In Oberndorf am Lech lagen zwischen Aufstellungs- und Satzungsbeschluss nur rund sechs Monate. Kleinere Flächen lassen sich auch mit Nachbarn zusammenlegen.
- Privilegierte, hofnahe Agri-PV (bis 2,5 Hektar): Bauantrag ohne Bauleitplanverfahren, Realisierung in etwa 9 bis 12 Monaten. Voraussetzungen sind ein räumlich-funktionaler Zusammenhang zur Hofstelle (bis 500 Meter unproblematisch, darüber Einzelfallprüfung) und die Einhaltung der DIN SPEC 91434. Eine Volleinspeisung ins öffentliche Netz ist dabei möglich – Eigenverbrauch ist keine Voraussetzung.
Ein Beispiel für den hofnahen Weg ist unsere Anlage in Pittenhart im Landkreis Traunstein: rund 2,3 MW auf 2,5 Hektar Grünland mit Trackern, 12 Metern Bearbeitungsbreite und künftiger Ochsenmast auf der Fläche. Der Netzanschlusspunkt liegt direkt auf der Fläche, die Hofstelle innerhalb von 500 Metern.
Fragen aus dem Webinar
Wie lange dauert die Rückmeldung des Netzbetreibers – und kann man vorher schon planen?
In der Regel dauert die Netzauskunft derzeit 8 bis 12 Wochen. Feldwerke hat inzwischen rund 500 Netzanfragen bei nahezu allen relevanten Netzbetreibern gestellt und kennt die Abläufe gut. Die Netzanfrage übernehmen wir kostenlos, die weitere Planung kann parallel bereits beginnen.
Spielt die Entfernung zum Hof eine Rolle?
Nur bei privilegierten Anlagen. Auch dort lohnt sich bei mehr als 500 Metern oder sogar über einem Kilometer eine Einzelfallprüfung – etwa wenn es die einzige geeignete Eigentumsfläche des Betriebs ist. Bei großflächiger Agri-PV ist die Entfernung zur Hofstelle unerheblich.
Wie aufwendig ist die Pflege des Biodiversitätsstreifens?
Der Streifen wird in der Regel mindestens zweimal im Jahr gemulcht, damit er nicht verbuscht. Der Aufwand ist nach den bisherigen Erfahrungen gering.
Sind Vogelschutz- oder Natura-2000-Gebiete ein Ausschlusskriterium?
Nicht grundsätzlich. In Vogelschutzgebieten haben wir bereits positive Rückmeldungen erhalten. Bei Natura-2000-Gebieten kommt es auf den jeweiligen Schutzzweck an; hier ist der Abstimmungs- und Ausgleichsaufwand mit der unteren Naturschutzbehörde in der Regel höher.
Ist die Wartung der Tracker-Mechanik deutlich teurer?
Etwas teurer als bei starren Systemen ja – aber nach den Erfahrungen aus den ersten Anlagen deutlich weniger, als oft angenommen wird.
Wie viel Leistung passt auf einen Hektar?
Abhängig von der Bearbeitungsbreite etwa 600 bis 900 kW, meist eher 700 bis 900 kW je Hektar.
Wie steht es um die Finanzierbarkeit, falls sich das EEG ab 2027 ändert?
Der aktuelle Referentenentwurf hält am EEG und an den Ausschreibungen für Agri-PV fest, wenn auch mit Anpassungen. Aus unserer Sicht und nach Rücksprache mit unseren Finanzierungspartnern bleibt die Finanzierbarkeit gegeben. Das Gesetzgebungsverfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen.
Fazit: Unabhängiger vom Wetter, ohne die Landwirtschaft aufzugeben
Die Dürreernte 2026 hat gezeigt, wie verwundbar Betriebe sind, deren Ergebnis allein vom Feld abhängt. Agri-PV ist keine Antwort auf jedes Problem der Landwirtschaft – aber sie kann einen Teil des Wetterrisikos abfedern: mit einer festen, vertraglich gesicherten Pacht, mit weiterhin bewirtschafteter Fläche und mit einer Teilbeschattung, die in trockenen Jahren nachweislich zur Stabilisierung der Erträge beitragen kann. Die Erfahrungswerte aus Oberndorf am Lech, Pittenhart und den Forschungsanlagen zeigen: Agri-PV ist keine Idee mehr, sondern in der Praxis angekommen.
Möchten Sie wissen, ob Agri-PV zu Ihrem Betrieb passt? Wir prüfen unverbindlich und kostenlos die Machbarkeit Ihrer Fläche, erstellen eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und übernehmen die Netzanfrage für Sie.
Marco Mielenz ist Geschäftsführer von Feldwerke und Experte für Agri-PV. Feldwerke entwickelt und betreibt Agri-PV-Anlagen in Deutschland mit aktuell über 40 Projekten, 500 Hektar und 400 MW in Entwicklung.
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